TAGEBUCH - DER KÜNSTLER IST ANWESEND


Navigation

Hauptnavigation

Servicenavigation


Inhalt

Mein Lieblingskunstwerk

 

Die größte Skulptur Hamburgs ist weithin sichtbar und definitiv mein Lieblingskunstwerk in meiner Heimatstadt. Einst bekam sie den Preis für die „schönste Brücke des Kontinents“ und Architekt Egon Lux freute sich.  Sie liegt zudem an der A7, dem eindrucksvollsten Weg nach Hamburg hinein.

 

Erst rollt man die Harburger Berge hinab ins Elbtal, dann baut sich Kilometer für Kilometer der Hafen in all seiner Größe auf, rechter Hand die riesigen Verladekräne von Altenwerder, davor die kleine, traurige Kirche, der das dazugehörige Dorf heute fehlt. Immer dichter rücken die Container an die Autobahn, dann taucht sie auf, die Köhlbrandbrücke, schwingt wie getuscht über die Süderelbe, ein Seilakt, schwindelerregend in lichter Höhe. Auf jeden Fall ein Kunstwerk, wie der Michel, der sich hier auch dem Heimkehrer zeigt am anderen Elbufer. Doch sobald man die Stadt erblickt versinkt man auch schon im Elbtunnel.

 

Brücke und Tunnel wurden in der Mitte der 7oer Jahre fertiggestellt, als die USA noch Vorbild für vieles waren. Die Köhlbrandbrücke ist für mich deshalb auch ein Symbol, vielleicht ein Denkmal für die Gesellschaft dieser Zeit. Als „Fortschritt“ ob technisch oder gesellschaftlich eine Hoffnung, keine Angst war. Die Menschen glaubten an die Wirkung von Antibiotika und Impfungen, an „die Pille“ für ein selbstbestimmtes Leben.  Niemand demonstrierte gegen Brücken (Dresden) und Bahnhöfe (Stuttgart), es wurden noch Gebäude errichtet, die höher in den Himmel ragten als Kirchen. Osteopathie, Homöopathie und alles Ganzheitliche waren noch nicht in aller Munde, das geheime Kräuterwissen der Frauen, Buchläden voller Mittelalteromane völlig unbekannt, die ganze heutige Sehnsucht nach, tja nach was nur?

 

Mein Ursprung sind die 70er Jahre. Ich wuchs in Billstedt auf und als die Köhlbrandbrücke gebaut wurde, war ich sechs Jahre alt. Alsbald begann ich U-Bahnfahrten zu den Landungsbrücken mit der U3. Die Billets aus weinroten Automaten waren noch aus dicker Pappe und sie galten – wie heute noch – auch für die HAPAG-Fähren. Finkenwerder und zurück, meine erste Hafenrundfahrt mit Blick auf die Köhlbrandbrücke.  Sicher, die Elbe darunter war unglaublich schmutzig, man konnte in ihrem Wasser Fotos entwickeln, die Abschaffung der Straßenbahn war eine Schnapsidee, der Abriss von ganz St. Georg wurde zum Glück nicht mehr umgesetzt. Trotzdem stehen die Brücke und ihre Zeit für Aufbruch.  Einmal fuhren meine Eltern mir zu Liebe mit dem Auto über die Köhlbrandbrücke. Auf der weichen Rückbank unseres Ford Taunus sah ich wenig, denn Kindersitze gab es noch nicht, wer aus dem Fenster gucken, wer etwas sehen wollte, musste wachsen. Und das gilt noch heute.

 

Die Welt ist grün (hinter den Ohren)

Philipp Rösler,
unser neuer Gesundheitsminister

Das wirklich beunruhigende an der neuen Regierung ist für mich, dass zwei Minister jünger sind als ich. Falls Sie – liebe Leser – selbst älter sind, finden Sie vielleicht noch mehr Minister, die nicht Ihr eigenes Alter und damit Ihr Format erreichen. Aber ist das nicht ein seltsames Gefühl, wenn Leuten, die schon von ihrem Geburtsdatum her nur grün hinter den Ohren sein können, plötzlich verantwortungsvolle Aufgaben anvertraut werden? So Karl-Theodor zu
Guttenberg (37) die Verteidigung des Landes und Philipp Rösler (36) die Gesundheit der Deutschen? Ohne mein Alter zu verraten, möchte ich darauf hinweisen und warnen: Beide sind deutlich unter 40! Vielleicht haben Sie sich ja schon daran gewöhnt, dass die Welt von Jungspunden und Lausbuden regiert wird. Ich bin immer wieder schockiert.

Zuerst fiel es mir im Fernsehen auf. Früher saß ich gebannt vor dem Gerät, aus dem mir gestandene Männer wie Karl-Heinz Köpke oder Damen von Welt wie Dagmar Berghoff eben diese Welt erklärten, die sie sicherlich gut kannten. Derweil krümelte ich das Sofa mit Keksen voll und musste alsbald ins Bett. Inzwischen scheint die Welt Kopf zu stehen, wenn ich als Mann in der Mitte des Lebens, durchaus gestanden und viel gereist, vor dem Fernseher sitze und mir ganz junge Frauen, ja ich möchte fast sagen Mädchen von der Lage am Hindukusch oder im UN-Sicherheitsrat berichten. Ich kann sie einfach nicht ernst nehmen, bin mir vielmehr sicher, dass sie zwischen den Sendungen das Studio mit Keksen vollkrümeln und eine Runde Gummitwist spielen. Diese Backfische wollen mir etwas vom Nahen Osten, dem GAZA-Streifen erzählen, wo sie doch ihre eigenen Reisen bisher höchstens auf einen Ponyhof führten?

Schon meiner Generation traue ich nicht. Als sich mir bei einem Krankenhausaufenthalt der Oberarzt vorstellte und wir nach einem Geplauder darauf kamen, dass wir derselbe Jahrgang waren, schmolz mein Vertrauen dahin. Wir hätten in einer Klasse sein können. Er war einer von uns, die wir damals die Turnbeutel der anderen auf das Vordach der Halle geworfen, uns beim Umziehen gegenseitig die Hosen runtergezogen und in den Büschen selbstgedrehte Zigaretten geraucht hatten, bis uns der Schuldirektor an den Ohren ans Licht zog. Für ihn waren wir eine schlimme Rasselbande voller Rotzlöffel. Und er hatte Recht. Und so ein Rotzlöffel sollte bei mir eine chirurgische Operation vornehmen? Auf keinen Fall! Ich bestand auf einen älteren Kollegen am besten mit grauen Haaren. Ergraute Schläfen waren für mich bis vor kurzem immer ein sicheres Zeichen für Lebenserfahrung und Weisheit. Doch was, wenn man selber ergraut und feststellt, dass das jeder Trottel schafft? Ja, dass selbst ein silberner Vollbart à la Hemingway ohne ein Funken Weisheit von selbst wächst, wenn man nur sein Rasierzeug verlegt.

Sicher, auch Jüngere machen einen guten Job. Wobei ich im Applaus für zum Beispiel den bisherigen Wirtschaftsminister zu Guttenberg auch stets eine Spur jener Begeisterung heraushöre, die Eltern empfinden, wenn ihr Nachwuchs laufen gelernt hat, ein erstes Theaterstück in der Schule aufführt oder nach vielen Stunden am Klavier etwas vorspielt. Es ist immer ein „Ach, wie eloquent er redet, dabei ist er fast noch ein Kind“ dabei. Obschon auch gestandene ältere Kollegen viel lernen können, wenn mal einer geschliffen reden kann, ohne verbrannte Erde zu hinterlassen wie Horst Seehofer, besser frisiert ist als Wolfgang Thierse und sportlicher als das meiste, was im Bundestag so rumsitzt.

Natürlich weiß ich, dass die Zeit bei diesem Phänomen gegen mich arbeitet. Künftige Kanzler und US-Präsidenten machen heute noch in die Windeln und wenn sie dereinst große Reden im Fernsehen schwingen werden, fällt mir garantiert das Hörgerät vor Empörung aus den Ohren. Früher oder später ist für jeden von uns die ganze Welt grün hinter den Ohren.

(30. Oktober 2009)

 


Die Poesie des Reisens

Schön, dass Sie wieder zu Hause sind! Ich hoffe, Sie haben Ihren kostbaren Urlaub in diesem Sommer nicht bei einer Pauschalreise verschwendet. Manch ein All-inclusive-Urlauber sitzt nach Schlägereien am Buffet, Vollplayback-Shows der Animateure und Kopfschmerzen durch All-inclusive-Cocktails entnervt am Strand und fragt sich, wo der Tsunami bleibt, wenn man ihn mal braucht.

Als Historiker kann ich Ihnen Trost spenden, Sie
sind nicht das erste Opfer. Die Geschichte der Enttäuschungen durch organisierte Reisen ist älter als man denkt. Schon die Freiwilligen des Ersten Weltkriegs meldeten sich in der Erwartung einer launigen Reise nach Paris und wurden dann mit Camping in Verdun in mehr als einfachen
Unterkünften abgespeist.

Trotzdem wird das historische Reisen heute wieder ein Megatrend. So machte ich mich in diesem Sommer in einem alten Ford Taunus nach Italien auf, nur um mich noch einmal so zu fühlen wie 1974, als ich – gerade fünf Jahre alt – von meinen Eltern in diesem Auto bis an die Adria kutschiert wurde. Doch am Steuer ist dies viel erträglicher als auf dem Rücksitz, auf dem ich damals lange vor der Erfindung des Kindersitzes in den tiefen Polstern versank. Wer aus dem Fenster gucken wollte, musste wachsen, ein echter Ansporn. Auch DVD-Player zum Aufhängen an der Kopfstütze waren noch nicht erfunden, dafür das Spiel „Ich sehe was, was du nicht siehst“. Kaum zu glauben, dass man damals ohne Klimaanlage unterwegs war. Der Geruch von Plastikarmarturen, die im Stau auf der heißen Autobahn kurz vor dem Schmelzpunkt waren, liegt mir bis heute in der Nase. Umso erholsamer gerieten die Pausen an den groben Granittischen der Rastplätze. Von der Mutter mit einem karierten Küchenhandtuch bedeckt, aß man dort geschmierte Brote und gekochte Eier. Aus ebenso bunten wie wirkungslosen Kühltaschen und Thermoskannen trank der Vater ein warmes Bier und Mutter einen kalten Kaffee, bevor sie das Steuer übernahm und zuvor noch im Spaß einige Kniebeugen andeutete wie sie der ADAC empfahl.

Vater begann jeden zweiten Satz mit den Worten „wenn wir erstmal den Brenner hinter uns haben“ und in der Tat war dieser Alpenpass damals noch aufregender als heute, krochen doch auch die schwach motorisierten PKW im zweiten Gang hinauf. Autobahntoiletten machten ihrem Namen noch alle Ehre. Man musste nicht weit fahren, bis diese aus einem bloßen Loch im Boden bestanden und einer hysterischen Spülung die alles unter Wasser setzte, ein ebenso abstoßendes wie exotisches Gefühl, die Gewissheit, dass man nun ganz weit weg von zu
Hause war.

An ihre Stelle sind heute die Erlebnistoiletten der Firma Sanifair gerückt. Blitzsauber und mit sphärischen Klängen erfüllt, begrüßt einen hier im Minutentakt eine Lautsprecherstimme und verleiht der Hoffnung Ausdruck, man möge den Aufenthalt genossen haben. Keine Frage: Hätte es Sanifair 1974 schon gegeben, hätte ich meinen Urlaub am liebsten gleich dort verbracht. Und doch scheint es noch Reisende aus fernen Kulturen zu geben, denen das viel zu modern ist, denn jüngst entdeckte ich auf der Klobrille der selbstreinigen Hightech-Toilette zwei Fußabdrücke. So befremdlich ich dies im ersten Moment empfand, musste ich doch bei der Vorstellung schmunzeln, dass sich derjenige dabei eine Runde im Kreis gedreht hat.

Manches ist für immer verschwunden, aber wenn Sie Sich bei Ihrem nächsten Urlaub auf eine solche Zeitreise begeben wollen, machen Sie einfach wieder am Betontisch Rast, sie sind für die Ewigkeit gebaut. Und wenn Sie keinen Ford Taunus haben, können Sie trotzdem den Brenner im zweiten Gang hinauf fahren, das ist nicht verboten. Und mit Glück finden Sie in Italien eine Pension, in der sich seit 1974 nichts geändert hat, nicht mal die Bettwäsche. Reisen bildet ungemein, auch wenn man manche Lektion gerne übersprungen hätte.

(24. August 2009)

 


Europa ist ein Fahrrad, hält man es an, fällt es um (Jacques Delors)

Europas schönste Vision:
Günther Verheugen

Sind Sie fit für Europa? Fremdsprachenkenntnisse sind wichtiger denn je! Menschen, die mehrere Sprachen beherrschen, nennt man multilingual, Menschen, die zwei Sprachen sprechen bilingual und solche, die nur eine Sprache sprechen, nennt man Franzosen.

Natürlich ist es unmöglich alle europäischen Sprachen zu lernen, aber ein Wort hat sich Politikern in Brüssel schon in 27 Varianten eingeprägt: „Nein“. Wann immer die Bevölkerung um ihre Zustimmung für eine Weiterentwicklung der EU gebeten wird, hört man ein entschlossenes „No“, „Non“, „Nö“, „Nem“, „Não“, „Ochi“ oder bei den wortreichen Italienern ein kurzes:  „Neanche per sogno. Per niente al mondo. Neanche a crepare!“ - was soviel heißt wie: “Kommt gar nicht in die Tüte, um keinen Preis der Welt, nicht ums verrecken!“

Warum fällt es so schwer, Erfolge der EU zu vermitteln? Wir erleben die längste Friedensphase aller Zeiten. Die jungen Männer, die in den Weltkriegen des letzten Jahrhunderts für die Verschiebung von Grenzen ihr Leben ließen, hätten kaum geglaubt, dass es zwischen Deutschland und Frankreich einmal keine Grenzkontrollen mehr geben würde, der Zug von Köln nach Paris nicht mal das Tempo drosselt. Auch der Tunnel zwischen Frankreich und Groß Britannien und die großen Brücken zwischen Deutschland und Skandinavien schienen früher utopisch. Heute sind sogar Länder Mitglied der EU, die früher hinter dem Eisernen Vorhang lagen und zur Sowjetunion gehörten. Dass ein einiges Europa ein Ende der Kriege bedeuten würde, prophezeite schon Ernst Ludwig Kirchner. Es würde irgendwann kommen – nur wann? – fragte er 1924. Heute leben und wirtschaften fast 500 Millionen EU-Bürger friedlich miteinander und was ist mit dem Euro?

Ach, war das Geschrei groß, als die Gemeinschafts-währung kam, keiner wollte sie. Sogar eine Anti-Euro-Partei wurde geründet. Und nun hat er gerade zehnjährigen Geburtstag gefeiert. Mitten in der Finanzkrise steht der Euro als Fels in der Brandung, das englische Pfund schmilzt dahin, die inzwischen armen Isländer wollen nichts lieber als die Europawährung einführen und dank Euro macht nichts mehr Spaß als eine Shoppingtour in New York. Man kauft haufenweise Zeug für 100,00 Dollar und es fühlt sich an wie 22,00 Euro! Doch gilt es im Moment die Euros beieinander zu halten. Wie schlecht es den Banken wirklich geht, sah man am vergangenen Dienstag als ein Mann in Berlin eine Commerzbank-Filiale überfiel und mit drei Millionen Schulden wieder auf die Straße kam.

Paul Lacroix sagte einmal, die europäische Einigung sei wie der Versuch, ein Omelette zu backen ohne dabei Eier zu zerschlagen. Im Moment ist dieser Prozess schwieriger denn je und Politiker schauen neidisch auf die Wirtschaft, denn dort ist man schon viel weiter. So können Sie heute in Barcelona bei Douglas ein Parfüm kaufen und den Flakon bei Nichtgefallen in Deutschland bei Tchibo wieder umtauschen.

(29. Mai 2009)

 


Operation Willkür

Und? Waren Sie im Widerstand? Also im Kino bei der Operation Walküre? Was für eine Skandalproduktion! Zunächst war die Frage, wer kann am besten den verhärmten Oberst Stauffenberg mit der Augenklappe verkörpern? Veronika Ferres hatte keine Zeit. Helge Schneider wollte nicht schon wieder einspringen, da war Tom Cruise der kleinste gemeinsame Nenner. Der Vorteil: Als Scientologe kennt er sich mit totalitären Systemen bestens aus.

Tragisch führt der Film vor Augen wie klein der Widerstand in Deutschland war – die meisten: Mitläufer. So Herbert von Karajan, der im besetzten Paris für deutsche Truppen ein Konzert dirigierte, aber nicht Ravel, sondern Wagner. Woody Allen hat mal gesagt, wenn er eine halbe Stunde Wagner hört, bekommt er Lust Polen anzugreifen.
Die Stauffenberg-Story ist schnell erzählt. Der Oberst zündete unter Hitlers Kartentisch eine Bombe und der Diktator wurde von der Tischplatte gerettet. Denn es war ein deutscher Eichentisch, handgeschreinert mit neun Zentimeter dicker Massivplatte. Ich sag mal: Wenn es damals schon Ikea gegeben hätte, wäre Hitler an 450g Inbusschrauben krepiert.

Mit den Special Effects aus Hollywood wird der Zweite Weltkrieg endlich zum Actionfun. Geradezu ermüdend wirkt die Wehrmacht dagegen im ZDF, wo sie täglich durch die  History-Sendungen fährt,  mit grauen Motorrädern und schlechten Mänteln auf Schlammwegen dem Abgrund entgegen. Übrigens soll Cruise mit der Rolle auf einen Oscar geschielt haben, den hat er nicht bekommen, zu Recht. Mein Hauptvorwurf: Wie kann jemand, der viermal in Mission Impossible bewiesen hat, dass er jedes - aber wirklich jedes - Problem löst, nicht in der Lage sein, einen einfachen Zündsatz vernünftig zu platzieren? Wieso ist der Anschlag auch unter Cruise gescheitert? Da hätte man lieber Matt Damon ranlassen sollen oder Daniel Craig, selbst, wenn Sean Connery mit dem Treppenlift in die Wolfsschanze gefahren wäre, hätte es für Hitler schlecht ausgesehen.  Zum Glück hält die deutsche Geschichte noch viele unmögliche Missionen bereit und vielleicht hat Cruise mehr Glück als „Gustloff-Kapitän“ …

 

(16. Februar 2009)

 


Sind sie ein Kreuzfahrt-Typ?

Kreuzfahrten sind der Megatrend in Deutschland.
2008 werden insgesamt eine Million Passagiere erwartet. Marktführer AIDA lässt jedes Jahr einen neuen Pott mit Grinsegesicht vom Stapel laufen. Damit wächst die deutsche Flotte schneller als in den 40ern. Wie damals geht es darum, wer den Atlantik kontrolliert. Die Briten mit Queen Victoria und der Queen Mary II oder wir Deutschen mit der Aida Armada? Kreuzfahrt-U-Boote sind in Planung, falls es ernst wird.

Aber sind Sie überhaupt ein Kreuzfahrttyp? Vielleicht dachten Sie auch schon mal, es wäre schön, in möglichst kurzer Zeit, möglichst viele Städte, möglichst wenig kennenzulernen – na, dann: Welcome on bord!

Sie hatten in der letzten Zeit viel Stress? Prima. Auf einer Kreuzfahrt kann man super ausspannen, dabei ist der Übergang von Entspannung zu Verwesung fließend. Sie müssen in den Zielhäfen nicht mal an Land gehen. Genießen sie einfach vom Bett aus das Städteportrait im Bordfernsehen mit wunderbaren Schwenks durch die Altstadt. Auf dem Schiff ist es eh sicherer als in den meisten Urlaubsländern, Sie haben immer eine Apotheke und eine Arztpraxis mit Klinik an Bord, davon können viele Städte in Ostdeutschland nur träumen, dafür ist der demographische Status der Passagiere vergleichbar.

Falls Sie noch zögern, hier ein Last-Minute-Schiffscheck:

*****Sterne Luxus
MS Deutschland: Für den Preis eines Kleinwagens wird Ihnen Ihr persönlicher Butler jeden Wunsch erfüllen. Hier erscheint man auch zur Seenotübung mit Smoking. Sie finden Shuffleboard eine aufregende Sportart und Bingo kreislaufanregend? Sofort einchecken!

****Comfort Party
AIDAs DJ Thorsten verwöhnt Sie mit den größten Hits aller Zeiten und wozu brauchen Sie eine Luxuskabine, Sie feiern eh die ganze Woche durch! Golfsimulator, Joggingstrecke, Volleyballfeld – Pech, wenn Sie den Ball zurückholen müssen. Die Animateurinnen tanzen in der Disco bis Mitternacht mit und lösen sich dann in Luft auf. Das Konzept boomt, die AIDAs sind stets besser gebucht als einst die Gustloff.

* Camping zur See
Easy Cruise. Die Geizgaleere der Billigairline Easy Jet ist günstiger als eine Jugendherberge, dafür müssen Passagiere die Kabinen der Crew putzen. Beim Versuch St. Tropez anzulaufen, kann es schon mal passieren, dass die Hafenpolizei die Easy Cruise in tiefe Gewässer abdrängt, wo sie von der Küstenwache versenkt wird. Günstiger ist nur schwimmen!

Achtung Singles: Auf vielen Schiffen ist der Altersdurchschnitt sehr hoch, bei einem Blick auf das Pooldeck denkt man: Habe ich doch den Eintritt für die Körperausstellung gespart!

Übrigens sind in den letzten fünf Jahren 39 Passagiere auf Schiffen spurlos verschwunden, ist doch nichts einfacher als jemanden bei einem nächtlichen Spaziergang an Deck zu beseitigen, einfach kurz schubsen und Tschüs! Dies gilt allerdings nur mitten auf dem Atlantik und nicht im Nord-Ostseekanal.

Egal welches Schiff Sie wählen: Ich wünsche Ihnen zauberhafte große Ferien. Als Strandlektüre empfehle ich meinen Sommer-Roman [RAMPENFIEBER]. Und falls Sie mehr über die abgründigen Seiten von Kreuzfahrten erfahren wollen, bestellen Sie mein neues Buch [Smörrebröd in Napoli]. Es erscheint zwar erst, kann aber jetzt schon bei www.amazon.de bestellt werden.

Ahoi, schnoy


(16. Juli 2008)

 


Der europäische Motorschaden

Eigentlich waren die Rollen in Europa klar verteilt: Deutschland und Frankreich sind der Motor der EU und England der Rückwärtsgang. Und nun? Nikolas Sarkozy trifft sich lieber mit James Brown aus London, statt mit Angela Merkel. Wie konnte das passieren?

Die oft bemühte deutsch-französische Freundschaft war schon immer auf gutem Willen gebaut und nicht auf Leidenschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg sagten sich die Franzosen: bevor die Deutschen ein drittes Mal einmarschieren, freunden wir uns lieber an. Hieß es vor nicht allzu langer Zeit bei uns doch noch: „Jeder Schuss ein Russ, jeder Stoß ein Franzos.“

Wer im Internet einen Partner sucht, kann mit Hilfe von Matchingpoints jemanden finden, der ähnlich tickt wie man selbst. Diese Suchmaschinen würden Frankreich und Deutschland wohl kaum für ein erstes Date aussuchen. Franzosen geben ein Drittel mehr für Lebensmittel aus. Sie sind die Erfinder von Delikatessen wie Crème brûlée, Bouillabaisse oder Cuisses de Grenouille. Wir sind die Erfinder von Aldi und Lidl. Gerade deren triste Filialen wirken auf Franzosen gar nicht wie Supermärkte, sondern eher wie staatliche Versorgungsstellen für den Katastrophenfall. Man findet keine Eisberge mit frischen Huîtres (Austern) oder Coquilles Saint–Jacques (Jakobsmuscheln).

Wenn der Deutsche Fisch ist, dann Schlemmerfilet, immerhin à la bordelaise – klingt doch auch französisch. Dabei ist die Schlemmersoße mit Geschmacksverstärkern so intensiv, dass es gleich bleibt, ob man sie auf einem Block Seelachs oder auf einem Stück Styropor aus dem Fernsehkarton serviert. Hauptsache billig.

Franzosen dinieren stundenlang im Kreise der Familie. So ein Genuss ohne Zweck ist dem Deutschen völlig fremd. Er strengt sich vor allem gerne an, deswegen erfand er das Vollkornbrot. Ziegenkäse auf Baguette? Wie dekadent, kauen ist Arbeit! Kein anderes Volk Europas malträtiert sich und seine Verdauung so mit Körnern und Kernen. Briten und Iren haben „Mother’s Pride“ ein schneeweißes Toast, Italiener duftendes Ciabatta, nur wir Deutschen setzen uns täglich der Körnerfolter aus. Gesund ist was weh tut. Dabei schmeckt Schwarzbrot – egal was man draufschmiert – immer nur nach Schwarzbrot, nicht mal Schlemmersoße à la Bordelaise kann das ändern.

(9. April 2008)

 


Hemingway

Gerade komme ich von Key West, der südlichsten jener Inseln in Florida, die die USA mit monströsen Straßen verbunden haben. Dort lebte bekanntlich Hemingway. Jeden Vormittag hat er geschrieben, jeden Nachmittag gefischt und jeden Abend gesoffen, so ist es überliefert.

Als Reisender kann man gleich unter einer ganzen Reihe von Kneipen auswählen, die mit dem Slogan „Hier war Hemingway Stammgast“ locken. Ähnlich wie im Hofbräuhaus in München fragen Touristen stets nach „seinem“ Tisch, um dann „sein“ Getränk zu bestellen. Ich entschied mich für die Kneipe, die mit dem Schild warb: „Bei uns hatte Hemingway Hausverbot“.

Aber wenn man so in Key West an der Bar sitzt, mit einem Jack Daniels in der Hand, den die Amerikaner als Whiskey verkaufen. Wenn man stundenlang zusieht wie der selbst im Februar 28 Grad warme Wind die Palmen streichelt, müde Pickups die Straße hinaufgluggern und Kuba zum greifen nah ist, dann weiß man, dass Hemingway fast alles richtig gemacht hat.

Noch ohne Erfolg verließ er seine schwangere Frau, um sich von der reichen Lady Pauline ein schönes Haus in – genau – Key West kaufen zu lassen. Dort schrieb, fischte und soff er ohne soziale Not und verließ Pauline erst, als sich etwas besseres ergab. Sicher, Hobbypsychologen werden seinen Hang zur Großwildjagd und zum Bürgerkrieg zu Recht als manische Phase einer ebensolchen Depression abtun und den Selbstmord als das Gegenteil. Wenn Ihr euch aber wie ich entschließen solltet, auf Key West ein Zimmer im Sunset Motel zu nehmen und ein Buch zu schreiben und es am Ende niemand lesen will, dann können wir immer noch jeden Tag fischen und saufen gehen und führten so zu 2/3 ein Leben wie Hemingway.

(21. Februar 2008)

 


Panik in der Muckibude

Ist klar: Sie wollen 2008 die Fitnesswende schaffen und haben deshalb einen Zettel unterschrieben, der eine Jahresmitgliedschaft in einem Premium Fitness Club besiegelt, inkl. der Nutzung des weitläufigen Spabereichs. Eine gute Entscheidung, aber gehen sie AUF KEINEN FALL vor dem ersten Februar hin! Denn:

Pünktlich zum ersten Montag im Januar stürmt eine Armada hochmotivierter Anfänger die Umkleiden und flutet diese mit dem Gestank frischer Kunststoffe, der aus nagelneuen Schuhen, Klamotten und Sporttaschen quillt.

Männer, die auf Namen wie „Erwin“ hören, erleiden nach dem Genuss eines XXL-Fitnessdrinks mit viel Eiweißpulver einen Proteinschock. Sobald der Trainer sie an den Geräten nicht mehr beobachtet, halten sie sich nicht mehr an die 15 läppischen Wiederholungen mit 12 Kilo, sondern legen unzählige Platten mit dem Gesamtgewicht eines Kleinwagens auf.

Spätestens jetzt hört man ein gepresstes „AAAAAaaaahhhrrrrggg!!!“ aus der Bizepsecke. Einmal kann die halbe Tonne für Sekunden gestemmt werden, dann fliegt die Bandscheibe raus und die fünf Zentnern ungebremst zurück in die Halterung. Im selben Moment bricht das Gerät mit dem Neumitglied durch den Estrichboden hindurch in die eine Etage tiefer gelegene Sauna.

In dieser ist angesichts von viel zu vielen Menschen, die auf den Holzbänken nicht mehr ihr Handtuch ausbreiten können, sondern alle nebeneinander kauern, eh schon die Stimmung eines Luftschutzkellers aufgekommen. Da kommt der Einschlag nicht mehr überraschend.

Durch Saunatüren, die alle vier Sekunden geöffnet werden, kann man sich hier leicht einen Schnupfen holen. Am besten wärmt es sich im Eisbecken auf, dass durch unzählige Leiber auf angenehme 37 Grad C° erhitzt wird.

Auch im Pool tummeln sich so viele Menschen, dass dieser umweltfreundlich mit nur wenigen Eimern Wasser befüllt werden kann.

Beruflich gestresste Neumitglieder buchen Entspannungskurse wie Hatha Yoga, die sie in ihren engen Terminkalender einschieben müssen. Die beruhigende Wirkung dieser Sitzungen ist besonders wichtig, wenn man schon auf der hektischen Anfahrt geblitzt wird oder aus Zeitnot in der Feuerwehrauffahrt parken muss. Wer zum friedlichen ‚Bing’ der Klangschalen sieht, wie vor dem Fenster der eigene Mini Cooper am Abschleppkran durch die Luft schwebt, muss sehr konzentriert meditieren, damit der Puls nicht außer Kontrolle gerät.

Natürlich gibt es Tricks, genügend Freiraum zu schaffen. Belegte Cross Trainer und Laufbänder vor der Monitorwand leeren sich schnell, wenn man alle TV-Geräte auf Phönix und Arte umschaltet. Im Kurs ‚Step Dance’ können Frauen mit einem hart gebunden Zopf einen Quadratmeter kontrollieren, wenn sie den Kopf energisch bewegen. Sind alle Spin Bikes besetzt? Einfach die Techno-CD gegen die neue von Roger Whittaker tauschen. In der Sauna hilft es kurz auf den Ofen zu pullern, ist eklig, aber sie bleiben definitiv alleine.

Fast alle Newcomer geben in diesen verschwitzten Ben Hur Wochen entnervt auf. Spätestens nach der ersten Schlägerei in der Umkleide („Verlassen Sie sofort meinen Schrank!“). Die restlichen elf Monate des Jahres können Sie in Ruhe trainieren und lernen, dass ein ‚Personal Trainer’ nicht etwa das Personal trainiert, sondern Sie, wenn sie gerne jemanden bezahlen, der nichts weiter tut, als Sie zu quälen. Besonders bei Singles ist dieser Service beliebt, denn Verheiratete kennen das schon aus ihrer Ehe.

Das Beste an der Mitgliedschaft ist übrigens, dass man auch dann abnimmt, wenn man nicht hingeht. Einmal im Monat wird die unverschämt hohe Mitgliedsgebühr abgebucht. Die Wut beim Anblick des betreffenden Kontoauszuges verbrennt bis zu acht Kalorien.

(24. Januar 2008)

 


Unfreiwillige Auswanderer Mein neues Leben XXXLLL!!!

Ein Gästehaus und eine Tauchschule auf dieser
Insel? Eine tolle Idee für die neue Sendung:
„Wenn Trottel auswandern“

Warum eigentlich immer nach Vater Staat rufen, wenn man Probleme auch selber lösen kann? Seit Jahren fordern alle mehr Kindergarten- und Krippenplätze, wozu? Meine Mutter hat gezeigt, wie man auch ohne staatliche Hilfe eine tolle Kinderbetreuung hinkriegt. Kennen sie das Kinderparadies bei IKEA mit dem großen Becken voller Plastikbälle? Als ich zwei Jahre alt war, hat mich meine Mutter dort abgegeben und als ich Achtzehn war wieder abgeholt. Natürlich wollte sie das erst nicht, aber in die Kinderklappe passte ich nicht mehr rein.

Anstatt Millionen in lahme Sozialstrukturen zu stecken, sollte man es lieber denen geben, die wissen, wie man Menschen integriert, so auch RTL & Co. Stellen wir uns mal vor, die Privatsender würden vom Staat Geld dafür bekommen, eine typische Problemfamilie zu integrieren: Die Schmidtkes. Vater Marcel arbeitslos, Mutter Steffi alkoholabhängig, Sohn Justin vorbestraft wegen Diebstahl, Tochter Chantal schwererziehbarer Tokio-Hotel-Fan.

Zunächst würden die Dokus „Mit dem Gerichtsvollzieher unterwegs“ – „Schulschwänzer auf den Fersen“ und „Mit dem Kaufhausdetektiv im Einsatz“ die Aufmerksamkeit auf die Familie lenken.

Dann könnte Peter Zwegat in der Sendung „Raus aus den Schulden“ dafür Sorgen, dass Marcel die Miete und Justin seine Handyrechnung wieder bezahlen kann. Gleichzeitig knöpft sich die Super Nanny Chantal vor, während die Tier Nanny Marcels gestörten Pitbull zum Schoßhund frisiert.

Solange Tine Wittler die Wohnung der Schmidtkes renoviert, darf sich die Familie bei Oliver Geissen den Frust von der Seele schreien und wird im Strafgericht von Richter Ulrich Wetzel zur Besserung verurteilt. So geläutert haben die Vier echte Chancen als Supertalente den Durchbruch auf Eis, dem Tanzboden oder vor dem Mikrophon zu schaffen. Zum Happy End gibt es bei den Schmidtkes ein Promidinner und wenn sie es trotz aller Mühe doch nicht schaffen, wird Mutter Steffi bei „Bauer sucht Frau“ an Landwirte verschachert und der Rest der Familie für die Sendung „Mein neues Leben XXL“ nach Thailand oder auf eine kleine Insel abgeschoben, wo sie mit lustigen Geschäftsideen Quote und sich selbst um die letzten Ersparnisse bringen.

(16. Dezember 2007)

 


Mein Kampf am Herd

Es ist kalt in Deutschland. Schuld sind wir selbst, denn die Deutschen sind beim Klimaschutz mal wieder der Musterknabe weltweit. Kein Land hat mehr Windräder, Wärmedämmung und Thermopenscheiben. Und dann bibbern wir in den Straßencafés unter mit Gas befeuerten Heizpilzen und fragen uns: „Wo bleibt die verdammte Klimaerwärmung, wenn man sie mal braucht?“

Was das Klima wirklich gefährdet, sind die vielen Kochsendungen, auf die kein Sender mehr verzichten kann. In jedem zweiten Studio laufen die Herdplatten auf vollen Touren und zuhause wird nachgekocht. Jetzt bekommt auch noch Eva Hermann eine Koch- und Strickshow auf Kabel 3, sie heißt: „Mein Kampf am Herd“.

Eigentlich ist das Fernsehen eine soziale Einrichtung, vergibt es doch Jobs an Menschen, die im realen Leben gescheitert sind. Jeder Auswanderertrottel, der versucht, in Texas, Dubai oder Neuseeland eine Kneipe zu eröffnen, darf auf ein Kamerateam von VOX hoffen.

Jüngst wurde eine junge Familie obdachlos, weil gleich drei Renovierungsteams unterschiedlicher Sender auftauchten. Die Moderatorinnen gingen mit Akkuschraubern und Stichsägen aufeinander los und schrieen sich an: „Das streichen wir jetzt schön rot an!“ – „Nein, die Wand bekommt eine Durchreiche zur Küche und wird blau. Aus dem Weg!“ . Die Handwerker zertrümmerten das ganze Reihenhaus mit Presslufthämmern. Die Familie wohnt jetzt tagsüber in der Möbelausstellung von IKEA und geht nachts putzen.

Wieso bekommt eigentlich Olivia Jones keine Renovierungsshow? Sie könnte wenigstens ohne Leiter die Decke streichen.

Auch bei den Renovierungssendungen fragt man sich, warum es sie nicht schon früher gab. Nehmen wir mal an, Tine Wittler wäre in Berlin im Mai 1945 auf Sendung gegangen, sicher hätte sie gejubelt: „Mensch, hier gibt das ja ganz viel zu renovieren!“

Auch eine Kochsendung hat damals gefehlt, mit Tipps von Tim Mälzer, wie man die kalten Nachkriegswinter überlebt („So machen sie aus ihrer Schuhsohle ein saftiges Steak.“)

Und sicher wäre die deutsche Geschichte besser gelaufen, wenn die Super Nanny Hitler auf die stille Treppe gesetzt hätte: „Du sagst jetzt Entschuldigung zu den Russen und dann schweigst du sechs Jahre.“ Wahrscheinlich wäre sie von Tine Wittler unterbrochen worden, die gerufen hätte: „Aber zuerst renovieren wir den Führerbunker. Was sind das bloß für scheußliche Brauntöne?“ Nehmen wir an, die beiden hätten damit Erfolg gehabt. Dann wäre Guido Knopp heute arbeitslos.

(1. Oktober 2007)

 


Wenn Geld arbeitet

Wissen Sie was passiert, wenn Sie all Ihr Geld verzockt haben und Schulden nicht mehr zurückzahlen können? Genau. Dann kommt der Gerichtsvollzieher, schleppt Ihren Plasmafernseher aus der Wohnung und nimmt den auf Raten gekauften Audi TT auch gleich mit.

In so einer Situation ist es viel gemütlicher, man ist eine Bank. Wenn die alles Geld verzockt hat, kommt die gute alte Europäische Zentralbank und pumpt Geld in ihre Brieftasche, damit sie flüssig bleibt, wie schön! Seit zwei Wochen macht die EZB nichts anderes als Geld in den Markt zu pumpen. Der Club der Banken ist das einzige Kasino weltweit, in dem chronische Verlierer stets mit frischem Geld ausgestattet werden. Denn das Finanzsystem hat einen kleinen Haken, es funktioniert nur solange, wie jeder sein Geld in den Kreislauf einspeist.

Eigentlich sind Schneeballsysteme gesetzlich verboten. Also das Prinzip „gebt mir 100,- Euro und ihr bekommt in einem Monat 500,- EUR zurück“. Was nur funktioniert, wenn viele neue Deppen bei dem Spiel mitmachen. Aber genauso funktioniert auch die Börse. Wenn niemand mehr kauft, bricht es sofort ein. Nur so war es möglich, dass ausgerechnet Kredit-Loser aus den USA, die die Raten für ihr amerikanisches Eigenheim aus Sperrholz und Doppelgarage aus Spanplatten (inkl. Garantie bis zum ersten Hurrikan der Saison) für ein weltweites Bankendesaster gesorgt haben.

Wie empfindlich der internationale Geldmarkt reagiert, zeigte auch die bemerkenswerte Äußerung vom EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet. Mitten im Sommerloch berief er eine Pressekonferenz ein, nur um zu verkünden: „Es gibt keinen Grund zur Beunruhigung!“ Allein das löste bei Investmentbrokern das blanke Entsetzen hervor. Schließlich sagte diesen Satz auch einst der Bürgermeister im Film „Der weiße Hai“, bevor die ersten Schulkinder gefressen wurden.

Wie empfindlich der Finanzmarkt inzwischen ist, zeigte in diesem Sommer auch der Sack Reis, der in der chinesischen Provinz Jilin umfiel. Bisher waren in China umfallende Reissäcke immer eine Metapher für „total egal“ Aber der am 12. August in der Stadt Changchun an eine Wand gelehnte Sack löste um ein Haar eine Weltwirtschaftkrise aus. Er kippte am frühen Nachmittag direkt vor einen LKW, der ebenfalls mit Reis beladen war und in einen Fluss stürzte. Örtliche Behörden bestanden auf die Vernichtung des schmutzigen Reises und lösten damit einen Aufstand der Bauern aus. Innerhalb kürzester Zeit brannten über hundert Hektar Reisfelder und trieben den Preis für Rohreis weltweit auf Rekordniveau. Die US-Sorten „Uncle Ben’s“ und „Condoleezza Milkrice“ wurden binnen weniger Tage um 280% teurer. Gleichzeitig sperrte Vladimir Putin die Pipeline, die Reis aus Kasachstan nach Peking transportiert. Grund waren nicht bezahlte Rechungen der Kasachen. Dummerweise hatten große US-Rentenfonds auf den sinkenden Reispreis spekuliert und auch die Landesbank aus Sachsen war mal wieder als Kapitalismus-Neulinge aus der Ostzone dabei.

Der wirklich große Crash wurde damals von Bruce Willis verhindert, der in einer geheimen Mission den Absperrhahn der russische Pipeline am Baikalsee öffnete und eine Gruppe tschetschenischer Rebellen zur Hölle schickte, sowie dem FBI, das Tausende von US-Rentnern verschwinden ließ, die sonst verhungert wären.

(5. September 2007)

 


Flat Rate Life

Ist euch auch schon aufgefallen, dass immer größere Bereiche unseres Lebens unter den Einfluss der Flaterate-Mafia geraten? Mit dem Telefonieren fing es an: immer den gleichen Betrag zahlen und dann telefonieren solange man will - ist klar. Wer aber viel telefoniert, trifft auch viele Verabredungen, geht viel aus und gehört damit zur idealen Zielgruppe für das Flatrate-Saufen, bei dem übrigens nicht die ganze Karte rauf- und runtergesoffen werden darf. Statt teurer Cocktails und anständiger Whiskeys wie Glenfidich, Bushmill oder der auf der schottischen Insel Skye komponierte Talisker, stellt der Wirt nur eine Art Punsch zur Verfügung, eine mit Brennspiritus alkoholisierte Zuckerschlacke. Durch den festen Willen aller Teilnehmer dieser Partys, soviel von der Schnapsbrühe runterzuspülen, wie in der begrenzten Zeit nur geht, kommt in Flatrate-Saufclubs schnell eine manische Stimmung auf, wie man sie zuletzt in deutschen Offizierskasinos fand, als sich diese noch in Gegenden wie Sarajevo, Warschau oder Weißrussland befanden. In Gegenden also, die sich bis heute hartnäckig weigern, Deutschland beim Grand Prix mehr als einen Punkt zu geben.

Flaterate-Saufen senkt natürlich die Hemmschwelle auf Fliesenniveau und tatsächlich bietet auch ein Bordell auf Hamburgs Reeperbahn eine Art Flaterate - na ja, das könnt ihr euch sicher denken. Auch früher gab es schon Flatrate-Phänomene, so dass sonntägliche Brunchbüffet in der Kneipe an der Ecke. Für 12,00 Euro konnte man sich soviel Aldi-Lachs reinstopfen, wie man schaffte. Oder der gute alte Pauschalurlaub: Einmal zahlen und dann eine Woche ärgern, soviel man mochte.

Gerade Männer sind Flatrate-Junkies. Ist doch das Prinzip „Einmal zahlen – endlos danebenbenehmen“ geradezu die himmlische Umkehrung des männlichen Schicksals „Einmal danebenbenehmen - endlos zahlen“.

In meiner Funktion als seismischer Gesellschaftsprophet und Trendsout bin ich der Meinung, es ist an der Zeit, die Chancen, die eine Flaterate bietet, zur Lösung aller unserer Probleme einzusetzen. Ich nenne dieses Konzept: Flaterate-Life. Einmal bezahlen (alles, was man hat) und dann lebenslang das Leben kostenlos genießen. Wohnen, wo man will, essen und trinken, was man will, jeden Job machen, den man will und natürlich mit jedem Menschen flirten und ausgehen, den man will. Meldet euch jetzt für Flatrate-Life an unter [sebastian@schnoy.de]

(18. Juni 2007)

 


Nur heiße Luft

Es gibt ja so Hits, die einem einfach zum Hals raushängen, weil sie jeden Tag rauf- und runtergespielt werden. Einer heißt G8. Aber nun ist endlich Schluss. Alle fliegen, fahren oder trampen nach Hause und die lustigen Demo-Clowns packen ihre roten Nasen wieder ein. Wirklich jeder deutsche Künstler hat seinen Senf zum Gipfel abgegeben, außer Marius Müller Westernhagen. Lebt er noch?

Das Ergebnis in Sachen Klimaschutz ist natürlich toll, hier noch mal zum Mitschreiben: „Die größten Industriestaaten schauen in zwei Jahren mal, ob und wie viel sie in den nächsten 50 Jahren machen“. Angela Merkel ist trotzdem happy, ein Riesenerfolg für sie. Soviel Zuversicht angesichts einer existenziellen Bedrohung gab es in Deutschland zuletzt im April 1945, als es in Berlin noch hieß: „Alles prima, wir gewinnen!“

Für alle, die keinen Chemieleistungskurs an der Schule hatten: Zuviel CO² erwärmt die Atmosphäre, produziert quasi zuviel „heiße Luft“. Ich frage mich, warum ausgerechnet Politiker dies ändern sollen, wo doch gerade sie grundsätzlich nichts anderes machen, als heiße Luft zu produzieren. Insgesamt haben all die Staatschef, die mit Delegationen in Regierungsjets um den Globus geflogen sind, all die Polizisten in Hunderten von Fahrzeugen, all die akkreditierten Journalisten, die themengerecht in der Dampflok Molli unterwegs waren und nicht zuletzt die Demonstranten in ihren alten, qualmenden VW-Bussen so viele Tonnen an CO² in die Luft geblasen, dass man ohne Übertreibung sagen kann: Am besten fürs Klima wäre es gewesen, wenn alle zu Hause geblieben wären. Und was machen wir nun mit dem kilometerlangen Sicherheitszaun? Vielleicht hat ja Nordkorea Interesse.

Fürs Klima kann jeder was tun. Versuchen Sie bis zu den Sommerferien ein paar Kilo abzunehmen, damit Sie beim Baden den Meerespegel nicht noch weiter erhöhen als nötig. 80 % der Deutschen sind zu dick und 20 % zu fett, so sieht’s aus. Und am Strand fragt man sich bei einigen Exemplaren tatsächlich: Kommt da noch einer von Greenpeace und zieht sie wieder ins Meer rein?

(11. Juni 2007)

 


Mehr Diktatur wagen

Endlich, die alte innerdeutsche Grenze konnte recycelt werden! Der G8 Gipfel macht’s möglich. Stacheldraht und Kameras sichern das Tagungsgelände am Ostseestrand und verwandeln es für wenige Tage in eine Art Guatanamo Bay für Besserverdienende.

Ministerpräsident Harald Ringstorf reibt sich schon die Hände, denn die vielen Polizisten und Demonstranten lassen die Übernachtungszahlen im Ferienland Mecklenburg-Vorpommern nach oben schnellen, außerdem gibt es endlich Jobs für ehemalige Grenzsoldaten.

Doch wie nah lassen die Gerichte Protestler an den Zaun heran? Muss er erhöht werden? Angela Merkel hat schon mal versucht die Debatte zu entschärfen und gesagt: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen.“

Die Nr. 8 der G8 ist übrigens der russische Präsident Putin, den viele mit einem totalitären Kontrollstaat in Verbindung bringen und tatsächlich sah er, als er auf dem letzten Treffen mit Angela Merkel eine Sonnenbrille trug, ein bisschen wie ein Agent aus der Matrix aus. Ich warte immer darauf, dass hinter ihm grüne Buchstaben- und Zahlenreihen vom Himmel fallen. Als die deutsche Bundeskanzlerin ihm vorwarf, der russische Staat hindere Bürger, wie Schachweltmeister Kasparow, daran an Demonstrationen teilzunehmen, konnte er ganz locker kontern: „Aber das macht ihr doch auch!“

Schon wenn Sie in Hamburg einen Brief schreiben, liebe Leser, können Sie ins Visier des Staates geraten. Vergessen Sie bloß nicht, Ihren Absender auf den Umschlag zu schreiben, bevor Sie diesen einwerfen, sonst könnte es sein, dass der Staatsschutz die Briefe abfängt. Bekennerschreiben von Brand- und Farbbeutelanschlägen, so ein Beamter, erkenne man nämlich daran, dass sie keinen Absender haben. Ganz schön schlau, oder? Nach Protesten, dass Briefgeheimnis werde verletzt, spielte der Staatschutz die Aktion mit der Begründung herunter, nicht ganz Hamburg sei kontrolliert worden, sondern nur einzelne Briefkästen in verdächtigen Vierteln wie Ottensen, St. Pauli und dem Schanzenviertel. Da ist Harburg in der Liste der Terrorstadtteile seit dem 11. September aber auf die hinteren Plätze gerutscht.

Alles in allem eine tolle Aktion, denn nun wissen die Gesuchten, dass man Bekennerschreiben lieber in Blankenese in den Postkasten wirft. Bei solchen Aktionen leidet nicht nur die Logik, sondern auch das Grundgesetz, das von Sicherheitspolitikern wie Innenminister Schäuble gerne so flexibel eingesetzt wird, als stünde „Serviervorschlag“ drauf.

(30. Mai 2007)

 


Wenn Streiker streiken

Das ist neu: Bei der Telekom streikt die Belegschaft und nicht wie bisher nur die Technik. Ich musste wirklich lachen, als in dieser Woche der Streik der Telekom mit der Drohung begann, nun würden ISDN Anschlüsse halt länger dauern. Wie jetzt? Also, vierzehn Wochen statt zwölf?

Auch die Ankündigung, die Hotlines der Telekom seien aufgrund des Streiks wahrscheinlich schwerer zu erreichen ist ein guter Gag, den alle verstehen, außer die Telekom selber. Hotline schwer zu erreichen? Wurde also schon immer gestreikt?

Beim Warten auf den Telekominstallateur wurde schon mancher schwarz vor Ärger. Angeblich wartete der Mann aus Essen, der in dieser Woche mit sieben Jahren, den Rekord im „Tot in der Wohnung liegen“ brach, auch auf einen ISDN-Anschluss. Das gab es sonst nur bei Trabantbestellungen. Kunde bei Auslieferung nicht mehr ansprechbar. Wäre die Telekom ein Pizzadienst, wir wären alle längst verhungert.

Bei der Telekom stehen sozialistische Errungenschaften auf dem Spiel, wie die 34-Stundenwoche, dabei müsste eigentlich für mindestens zwei Jahre der 38-Tage-Monat eingeführt werden. Weiß die Telekom eigentlich, dass es ein beliebtes Partyspiel ist, sich die absurdesten Erlebnisse zu erzählen, die man mit dem T-Riesen hatte, zum Beispiel bei eben jenem Versuch, einen Anschluss zu erhalten? Selbst wildfremde Menschen erzählen sich dann aufgebracht unfassbare Geschichten vom Moloch. („Ja und dann habe ich dem Monteur gesagt: ‚Die Telekom ist doch das letzte’ und er: ‚Das finde ich auch!’“)

Gibt es nicht irgendwo einen willigen Hedgefond, der Hilfe leistet und dieses Monster in marktfreundliche Happen zerlegt? Als Aktie ist die Telekom bis jetzt so erfolgreich, als sei die DDR an die Börse gegangen. Stehen eigentliche ehemalige Staatsunternehmen unter Artenschutz? Wie die Post, die mit DHL den einzigen Kurierdienst unterhält, der im Gegensatz zu UPS, Fedex oder Hermes keine Pakete bringt, sondern meist nur rote Kärtchen in den Briefkasten wirft. Und dann heißt es wieder anstellen im alten deutschen Postamt, wie damals an der Grenze. Denn Ihr Paket bekommen Sie nur, wenn Sie die Berechtigungskarte mitbringen (nicht vor dem nächsten Werktag!) und Ihren Pass. Da ist es ist leichter in Nord-Korea einzureisen ...

Falls Sie auch zu den traumatisierten Telekomkunden gehören, besuchen Sie doch mal meine Selbsthilfegruppe „Gemeinsam auf den Anschluss warten“ und schreiben Sie Ihr schlimmstes Telekomerlebnis in mein [Gästebuch].

(14. Mai 2007)

 


Klimawandel

Ich habe die Geschichte lange verdrängt, aber jetzt muss ich sie erzählen: Als einst Kyrill über Deutschland zu wüten begann, fuhr ich mit einem geschundenen EC "Vaclac Havel" von Berlin nach Hamburg. Mangels Reservierung verbrachte ich die Fahrt im muffigen Speisewagen bei einem schönen kalten Budweiser und irgendeinem tschechischen Eintopf, der mir mit den Worten Is leider kalt, Herd kaputt serviert wurde.

Die mecklenburgische Tiefebene ist groß und leer und gewährt einen weiten Blick, doch wo im Westen normalerweise der Abend seine lichteste Seite zeigt, man quasi dem Sonnenuntergang entgegenfährt, braute sich etwas zusammen, eine dunkle Masse an Wolken, ein Sturm, eine Windhose, wir schienen geradezu in einen Abgrund zu rasen. We have a little problem schnarrte der Zugchef über die Lautsprecher, denn seit der WM gibt es alle Durchsagen auf Englisch, auch, wenn die Fans längst abgereist sind. Im Sachsenwald (Sachsenforest) waren schon Bäume auf die Strecke gekippt und so wurden wir auf einer Weiche irgendwo da draußen mit einem unhöflichen Schubs nach Süden umgeleitet, über Stendal und Uelzen. Thank you for you Verstanding flötete der Zugchef.

Als wir nach mehreren Stunden an einem Bahnsteig zum Stehen kamen und die Stimmung der Reisenden angesichts der riesigen Verspätung schon auf dem Nullpunkt war, meldete er sich wieder zu Wort: Wir haben jetzt einen außerplanmäßigen Halt in Uelzen. Sie können hier aussteigen, wenn sie das irgendwie weiterbringt.

Diesen Satz kann ich nicht vergessen. Ich blickte um mich, suchte Menschen, die es vielleicht weiterbrachte in Uelzen auszusteigen, doch niemand erhob sich, keiner ergriff einen Koffer. Ich fragte mich, ob es überhaupt einen Menschen gibt, den es weiterbringen könnte in Uelzen aussteigen. Fragen sich nicht sogar, die, die in Uelzen wohnen, und dort jeden Abend aus einem quietschenden Nahverkehrszug quellen, ob sie das wirklich weiterbringt in Uelzen auszusteigen, ihr Leben vielmehr eine vielversprechende Wendung nehmen würde, wenn Sie in Frankfurt, Paris oder Monaco aussteigen würde. So oder so, als ich in Hamburg ausstieg brachte mich das definitiv weiter.

(22. April 2007)

 


Lebendhilfe

Liebe Leute,

früher war das Leben kompliziert und unübersichtlich, aber dank Zeitschriften wie dem STERN kenne ich jetzt

10 Wege das Leben einfacher zu machen
habe komplizierte Dreieckbeziehungen beendet, mein Wochenendhaus gekündigt, sowie die Mitgliedschaft in einem Tischtennisverein, um nur die wichtigsten Wege zu nennen. Da kam der Artikel

9 Tipps zum Entrümpeln Ihrer Wohnung
in der BUNTEN gerade recht. Ich habe mich streng an die Vorgaben gehalten, vor allem Wichtiges vom Unnützen getrennt, ein neues Prinzip, das beim Aufräumen wirklich hilft. Mit dem FREUNDIN-Artikel

8 Dinge, die den Frühling in ihre Wohnung bringen
konnte ich die leeren Räume schön gestalten. Warme Töne bringen nämlich Wärme, kalte sind dagegen kalt und schöne Schnittblumen, das wusste ich bisher nicht, machen sich vor allem in schönen Vasen schön. Nachdem ich in der GALA auf den Artikel

7 Tipps für einen romantischen Abend zu zweit gestoßen war, traute ich mich sogar Nicole einzuladen. Besonders romantisch ist übrigens ein Candlelight Dinner, zu dem viele Kerzen gehören und romantische Musik (also kein Death Metal), ein echter Geheimtipp, auch darf bei einem guten Essen ein guter Wein nicht fehlen, den man am besten aus schönen Gläsern trinkt und nicht etwa aus einem leeren Margarinebecher. Dank dieser Lebenshilfe sind Nicole und ich schon zwei Jahre zusammen, so dass ich mit großem Interesse in der PSYCHOLOGIE HEUTE den Artikel

6 Ideen für neuen Schwung in Ihrer Beziehung las. Ich habe ihr Dessous gekauft (machen den Sex prickelnder), mir mehr Zeit für sie genommen (ist wichtig) und wir hatten Sex im Freien, was vor allem sehr kalt war. Zum Glück half mir die APOTHEKEN RUNDSCHAU mit ihrem Artikel

5 Hilfen um die Abwehrkräfte zu stärken
Vor allem Vitamin C ist wichtig, falls Sie es noch nicht wussten und davon findet sich viel in man glaubt es kaum Obst! Ich war fest entschlossen, den Turbo in meinem Leben zu starten.

4 Übungen für ein Blitz-Body-Workout
in der Mittagspause entnahm ich der MENS HEALTH. Und in meiner Lieblingszeitschrift, BEST LIFE FÜR MÄNNER, DIE IHREN ERFOLG GENIESSEN fand ich endlich

3 Gründe für eine saftige Gehaltserhöhung
Nur hatte ich jetzt wieder zu wenig Zeit für Nicole, die mir unmissverständlich sagte, es gebe

2 Möglichkeiten sich zu entscheiden
Ich suchte einen passenden Artikel, der mir weiterhelfen konnte, doch ich fand nur

3 Anzeichen, dass es gut ist, Deinen Partner zu verlassen (NEON)

4 gute Gründe für Treue in der Partnerschaft (auch NEON)

5 Tipps für einen perfekten Seitensprung (BRIGITTE)

6 Gründe, warum man Sex nicht zu wichtig nehmen sollte
(BRIGITTE oder NEON, verdammt ich wie es nicht mehr!)

Ich war einigermaßen ratlos, Nicole war weg, ich deprimiert. Zum Glück glaubte ich nicht mehr den Artikeln

7 Tipps wie man den Ex mit der Motorsäge beseitigt (OBI MAGAZIN)

8 Tipps wie Depressionen Spaß machen können (KONKRET)

9 Dekotipps für die Geschlossene (SCHÖNER WOHNEN)

10 Gründe sich noch heute aufzuhängen (MANAGER FERNOST SPEZIAL)

Nachdem ich alle Hefte in den Container gesteckt habe in der Hoffnung, dass sie der Recycling-Kreislauf zu Hochkultur werden lässt, verstehe ich vor allem 1.

1 Grund mal wieder ein Buch zu lesen.

Weil einen Zeitschriften einfach nicht weiterbringen.

(15. April 2007)

 


Eine besonders schöne Pension

Auf dem Foto seht ihr einen Schlüssel, mit dem man jeden reisenden Comedian, Kabarettisten oder auch Schriftsteller erschrecken kann. Denn für alle Künstler auf Tournee endet jeder Tag mit der spannenden Frage: In welchem Hotel haben sie mich wohl diesmal einquartiert? Dramatisch wird es, wenn es sich bei dem Hotel um ein Hotel Garni handelt, was heißt, es gibt keinen Nachtportier, es ist also ab 21.00 Uhr „Garni“-jemand mehr da. Und noch schlimmer sind Pensionen, die mir meist mit dem Zusatz „besonders schön“ vorgestellt werden.

Ob eine Unterkunft bequem und luxuriös oder kalt und rumpelig ist, verrät meist schon der Zimmerschlüssel, der mir im Theater in meine Garderobe gelegt wird. Ist dieser eine Art Scheckkarte, umfasst von einem Kuvert aus edler Pappe, lässt dies auf vier bis fünf Sterne hoffen, auf Badeschlappen und Bademantel, sowie Servicepersonal, das in bordeauxfarbenen Uniformen mit Goldknöpfen die Hacken zusammenschlägt, sobald man den roten Teppich betritt.

Besteht der Schlüssel aus einer grauen Lochkarte, so handelt es sich um ein anonymes Kettenhotel der unteren Kategorie für das niedere Management. Hier darf man immerhin noch auf einen Nachtportier und eine Minibar hoffen, sowie Pay-TV, vorrausgesetzt die Kassetten sind zurückgespult.

Legt mir der Veranstalter jedoch obigen Metallschlüssel auf den Tisch, der an einem pfundschweren Messingkolben hängt, in den eine große 24 eingraviert ist, weiß ich genau, was mich erwartet: Eine sogenannte schöne und besonders ruhige Pension, in deren Namen sich Hirschen, Ochsen und Eichen finden. Die mit Trockensträußen und weinenden Harlekinen dekorierten Zimmer haben zwar keinen Fön und kein Duschgel, dafür einen tonnenschweren Fernseher, der nach einer Warmlaufzeit von zwei Stunden Schneeregen zeigt, da es keinen Antennenstecker gibt, dafür liegt auf dem Gerät ein höchst apartes Häkeldeckchen, kurz es ist der blanke Horror!

Sollten Sie mal eine solche Nacht erleben müssen, bringen Sie sich bloß was zu trinken mit, denn eine Minibar gibt es nicht und wenn Sie sich nachts noch einmal in das dunkle Erdgeschoss trauen, in der Hoffnung, irgendwo einen Tresen zu finden, begegnen Sie womöglich dem Pensionshund, so wie es mir im „Alten Hirschen“ im Harz passiert ist. Gerade als ich in der Finsternis hinter der Rezeption meinte, das Summen eines Kühlschranks wahrzunehmen, schreckte mich ein lautes Knurren auf und „Carlo“ biss mir in die Hand.

„Das hat er noch nie gemacht“, erklärte mir die Wirtin am nächsten Morgen, während ich versuchte, einen deutschen Cappuccino, also Filterkaffee mit Sprühsahne, in der linken Hand zu halten. „Eigentlich“, schnaufte sie, „will er immer nur spielen.“ Seitdem weiß ich, sobald ich einen Messingschlüssel in die Hand bekomme: Der Weg nach Hause mag weit sein, aber nicht so weit, als dass man ihn nicht sofort antreten könnte.

(2. April 2007)

 


Alsterschwäne im Umerziehungslager

Der Frühling in Hamburg hat seinen ganz eigenen Zauber. Leuchtend gelb begeistern tausende von Narzissen auf den Verkehrsinseln und Mittelstreifen der Straßen, doch immer wieder sieht man skrupellose Omis, die sich in genau diesem Blütenmeer mit einem Messer bücken und seeleruhig große Sträuße für daheim binden. Doch Achtung, der städtische Jäger macht mit seiner Schrotflinte keine Ausnahme: Ob Wildschwein oder Problem-Rentner, wer öffentliche Grünanlagen durchwühlt, bekommt keine Schonzeit.

Kaum wird es etwas wärmer, kommen auch die Nordic Walker wieder aus ihren Löchern (hat sie jemand vermisst?), klappern durch die Grünanlagen und lockern den Boden für die Tulpenzwiebeln auf. Geben Sie jetzt bloß auf ihren Hund acht. Im letzten Jahr gab es zahlreiche Dackel und Terrier, die unter einem unachtsam aufgesetzten Nordic Walking Stock tödlich verunglückten. Sicherer, und vom Hundebund befürwortet, ist die Sportart Japanese Walking, bei dem sich die Walker nur auf Essstäbchen abstützen.

Einmalig ist der Frühling an der Außenalster. Wichtig für alle, die stilecht mitmachen wollen, bei Sonne, selbst, wenn sie noch ganz schüchtern ist, muss hier auf jeden Fall eine monströse Sonnenbrille getragen werden, vielleicht sind sie ja prominent und wissen es nicht.

Neues gibt es von den Alsterschwänen. Nachdem diese verwöhnten, eingebildeten Nervbolzen jeden Winter für Millionenbeträge von Schwanenvater Olaf Nieß durch die kalten Monate gehätschelt wurden und diese im geheizten Eppendorfer Mühlenteich verbringen durften mit teurem Knuspergebäck und Froschvideos, kommen in dieser Saison erstmals künstliche Schwäne zum Einsatz. Die praktischen, von Toyota entwickelten, Plastikschwäne surren mit einem 12 Voltakku durch das glitzernde Wasser. Sie sind günstiger, garantiert vogelgrippefrei und für Paddler nicht so gefährlich wie echte Schwäne. Diese hatten in den letzten Sommern immer wieder Kajaks und Kanus versenkt, wenn sie sich von diesen in ihrem Schönheitsschlaf gestört fühlten. Die echten Alsterschwäne verbringen diesen Sommer zur Strafe im Maschsee in Hannover.

(Diese Gedanken erschienen in der MHamburger Morgenpost vom 1. April 2007. Es ist waber alles wahr!)

(1. April 2007)

 


Klimaerwärmung wegen zu vieler Kochsendungen!

Es soll ja Perverse geben, die nur Sex haben können, wenn sie dabei gefilmt werden. Noch perverser finde ich allerdings Leute, die nur Kochen können, wenn Sie dabei gefilmt werden, Stichwort: Tim Mälzer. Wie sieht eigentlich ein normaler Abend bei ihm zu Hause aus? Wenn die Kinder schreien: Wir haben Hunger! Machst Du uns Spagetti? Sagt er dann: Tja, Kinder, holt erst mal ein Kamerateam, dann koch ich euch was.

Das Fernsehen generiert in jüngster Zeit ja eine ganze Reihe neuer, bisher völlig unbekannter Jobs. Nachdem eine blonde, dicke Frau Erfolg damit hatte, Wohnungen in schreienden Farben anzumalen, gibt es jetzt gleich eine ganze Reihe dicken Moderatorinnen die Wohnungen verschandeln. Ob Weddingplaner, Gerichtsvollzieher oder Pädagoge, kein Beruf, der nicht inzwischen vor die Kamera gezerrt wird. Warten Sie noch wenige Monate, dann gibt es die Sendungen Traumscheidung , Bestatter auf Kundenfang und Die Killerbuchhalter Für die verbleibenden Themen kümmern sich die Chartshows: Die lustigsten Dosensuppen der 80er Jahre , Die 40er Jahre Show mit der Wahl der Miss Trümmerfrau und Leben wie vor 30 Jahren ein Besuch in Eisenhüttenstadt .

Vielleicht ist ja auch für Sie ein Job dabei. Leiden Sie unter Schlafstörungen, dann bewerben Sie Sich doch einfach bei 9live oder einer der anderen Quizsendungen. Dann dürfen Sie nachts um zwei in die Kamera schreien: Ist denn niemand mehr wach? Wir suchen ein Wort mit Fußball- es ist so einfach. Fußballstadion hatten wir schon. Ein sicherer Job, denn auf Fußballmensch kommt bis zum Ende der Sendung garantiert niemand mehr.

Besonders reizvoll finde ich ja den Job von Paris Hilton. Auf den Wiener Opernball gehen und dafür bezahlt werden, nicht schlecht. Das mache ich jetzt auch. Ich biete mich als professioneller Partygast an. Ich bin belesen, charmant und bringe einen Nudelsalat mit, den sie auf keinem Opernball der Welt finden werden. Das ist natürlich nicht ganz billig, aber wertet ihre Party ungemein auf. Angebote bitte an [sebastian@schnoy.de]

(18. März 2007)

 


Liebe Frauen

Liebe Frauen. Warum seid Ihr nur so schrecklich kompliziert? Wenn wir Männer zu Euch sagen: Das Kleid steht Dir gut , dann heißt das: Das Kleid steht Dir gut . Und nicht: Deine Frisur sieht mies aus! Warum könnt Ihr nicht mit Komplimenten umgehen? Gerade war ich zwei Wochen mit Beate zusammen, meine erste Freundin, die ich nicht selber aufpusten musste. Ich habe sie im Internet beim Flirtclubcafe kennen gelernt. Dort hatte ich unter dem Pseudonym Pimperprinz94 einen Account (Hobby: Fußnägelkauen). Beate war süß, schlank und sportlich, kurz: wunderhübsch, aber voller Komplexe. Sie fand vor allem ihre Oberweite zu klein und fragte mich täglich: Sag mal Sebastian, ganz ehrlich, findest Du die nicht zu klein? Als ich antwortete: Nein Beate, ich finde die genau richtig. Ich interessiere mich für Nanotechnologie war ihr das aber auch nicht recht. Ich weiß. Niemand ist perfekt. Wir müssen alle was tun. Ich trinke zum Beispiel kein Bier mehr, seit ich gehört habe, dass die weiblichen Hormone darin das Brustwachstum anregen, der Horror für jeden Mann. Wenn man Pech hat sieht man aus wie Meat Loaf. Aber vielleicht kann dieser Effekt ja auch ganz segensreich sein, dachte ich, als ich Beate eine Kiste Astra mitbrachte. Aber sie mag kein Bier. Dafür will sie unbedingt zum Chirurgen ( Ich lass sie mir machen! ) und hat auch schon dreitausend Euro gespart. Allerdings kostet die OP das doppelte. Ich schlug vor, sie solle sich erst mal eine machen lassen, um zu sehen, ob es ihr gefällt. Nun ja. Jetzt bin ich wieder Single. Dabei habe ich es so gut mit ihr gemeint. Ich glaube, die meisten Singles haben zu hohe Ansprüche. Mein Freund Mike ist Tischler und seit drei Wochen mit einer Frau glücklich, die nicht perfekt ist. Ihre Nase ist etwas groß, ihre Ohren stehen ab und sie ist ganz schön kräftig. Aber Mike nimmt es mit der Gelassenheit eines Handwerkers und sagt: Das guckt sich weg. Na also es geht doch. Er hat auch ein paar Kilo zuviel, aber wenn beide in die Badewanne steigen sind sie unschlagbar im Wasser sparen. Ein Vollbad mit 5 Litern, wer schafft das schon.

(2. März 2007)

 


All Horror Inclusive Urlaub

Gerade bin ich von meinem ersten und wohl auch letzten Pauschalurlaub zurückgekehrt. Sicher, der Winter ist schöner bei 20 Grad, aber wenn Sie Pech haben, geht es Ihnen wie mir: Mein Zimmer in der 3***Anlage Club del Sol gewährte einen schmerzhaften Blick auf den Pool, wo sich ab dem frühen Vormittag dicke All-Inclusive-Gäste auf ächzenden Plastikliegen mit einer hochprozentigen Brühe zulöteten, die an Caipirinha erinnern sollte, während sich ihre blauen Inclusive-Bänder in die fleischigen Handgelenke gruben und einen weißen Streifen an den ansonsten krebsroten Leibern hinterließen. Gut, das Hotel war kinderfreundlich, zumindest hatte Kevin aus Berlin Neukölln seinen Spaß, der hier im beheizten Pool sieben Tage lang eine Arschbombe nach der anderen absolvierte und mit jeder eine Art Mini-Tsunami auslöste (Wichtigster Satz seiner Mutter: "Kevin, komm sofort da runter!"). In der Anlage bröckelte der Beton vor sich hin und verbreitete den Charme eines sozialistischen Flughafens, der seit der Wende nicht mehr angeflogen wird. Am nach darwinistischen Prinzipien eingerichteten Büffet waren Ellbogenschoner Pflicht. Trotz eines goldigen Personals, das sich alle Mühe gab, ein Lächeln nicht zu vergessen, kam bei den mehreren hundert Menschen, die versuchten Fleisch und Gemüse auf ihre Teller zu laden, eher die Stimmung einer Turnhalle auf, in der das Rote Kreuz die Bevölkerung nach einem Erdbeben versorgt.

Wer glaubte, er könne sich die Anlage schön trinken, war spätestens bei der Abbashow der Animateure wieder völlig nüchtern. Bei diesem Vollplayback-Event schmissen dieselben Anheizer, die schon den ganzen Tag am Pool genervt hatten, eine Abba-CD ein und bewegten sich dabei - ja sagen wir, sie bewegten sich. An diesem Punkt griff auch ich zu den härteren Drinks und musste zugeben: Mit jedem Gin Tonic (doppelt Gin) wird der Club del Sol doch einen Stern schöner...

 


Last minute schenking

Achtung Männer! Wenn ihr zu denen gehört, die Weihnachtseinkäufe ganz cool am 24. erledigen, wird das dieses Jahr nach hinten losgehen, denn Heiligabend ist ein Sonntag! Könnte peinlich werden, wenn ihr euch am Hauptbahnhof mit Geschenken eindeckt, denn dort gibt es nur Beziehungstöter wie Aroma-Badekugeln, Pfeifenreiniger oder Döschen mit Ostfriesentee. Dann noch Blumen von der Tankstelle und ihr seid im neuen Jahr garantiert Single.

Wir Männer sind da unkomplizierter, wir würden uns auch über einen Kanister mit 30 Litern Benzin freuen, aber Frauen schnappen beim Thema Geschenke schnell ein. Erst säuseln sie: "Ich wünsche mir nichts, nur Frieden auf der Welt." Dann muss man panisch um die Welt jetten, Kim Il-sung, Ahmadinedshad und Bush an einen Tisch bringen und sie anflehen: "Gebt euch die Hände, sonst macht mir meine Freundin die Hölle heiß!"

Noch schwerer, als Geschenke für Frauen zu finden, ist es, überhaupt eine Frau zu finden. Sie selbst haben es einfacher. So bekam meine Bekannte Melanie nach einem Urlaub im Club Fatal auf Ibiza ein Kind vom Animateur. Er war sogar bei der Geburt dabei und unterstützte sie, kam in den Kreissaal und schrie: "Und, wie ist die Stimmung? Drücken! Drücken! Einer geht noch, einer geht noch raus!"

Die meisten Paare lernen sich heute im Internet kennen. Man muss ständig "online" sein. Da beneide ich ein bisschen meine Eltern. Die haben sich noch "offline" kennen gelernt und sind jetzt über 40 Jahre verheiratet. In meinem Umkreis gelten schon 40 Minuten als stabile Beziehung. Letzte Woche sind sie für meine Show im Schmidt Theater nach Hamburg gekommen. Meine Mutter fand sogar ein Hotel auf der Reeperbahn für nur 20 EUR, wunderte sich dann aber, als nach einer Stunde der Portier auf dem Zimmer anrief und in den Hörer bellte: "Jetzt gib mal ein bisschen Gas, Mädchen, sonst macht das noch mal zwanzig!"

Apropos: Auf der Reeperbahn gibt es natürlich auch tolle Notgeschenke. Damenschuhe bis Größe 48, sprechende Kondome oder die Fetisch-Barbie mit Minipeitsche. Hm, eigentlich ist der Ostfriesentee doch keine schlechte Idee.

(Hamburg, 17.12.2006)

 


Advent, Advent

Endlich ist der Grund für die globale Erderwärmung gefunden. Nicht die Autos sind Schuld, sondern die Adventsbeleuchtung in meiner Reihenhaussiedlung. Der Kampf um die größte Lämpchenarmee hat diese Woche begonnen.

Am Montag stellte meine rechte Nachbarin Frau Hoffmann eine Holzleiste aus dem Erzgebirge mit drei Elektrokerzen zu je zwei Watt ins Küchenfenster, worauf mein linker Nachbar, Herr Spackental sofort mit einer Fünferleiste konterte. Am Dienstag installierte Frau Hoffmann dann einen chinesischen Lichtschlauch mit 90 Dioden vor ihrer Haustür, zu diesem Zeitpunkt hatte Herr Spackental aber schon sechs Gitternetze mit insgesamt 400 Birnchen über alle Büsche rund ums Haus geworfen. Mittwoch holte sich Frau Hoffmann dann Verstärkung, ein kleines Bataillon von Leuchtweihnachtsmännern, die an ihrer Fassade in Stellung gingen und den Balkon sicherten.

Sie rechnete aber nicht mit den beiden Schneemännern, die Herr Spakental mit einem 600 Watt-Gebläse auf vier Meter aufpusten konnte und die seitdem bedrohlich mit einem Besen winken. Sie reichen allerdings nicht bis zu Frau Hoffmanns Dach, wo seit Donnerstag ein Schlittengespann mit sechs Rentieren und Knecht Ruprecht die Lufthoheit kontrolliert. Kurz: Seit Freitag sind bei meinen Nachbarn 140.000 Watt am Netz. Dabei sind ihre kleinen Vorgärten inzwischen selbst nachts so hell, dass die Vögel die Paarungszeit begonnen haben und alle Tulpenzwiebeln aufgeblüht sind.

Inzwischen ist Herr Spakental nicht mehr zu bremsen, mit dem Drehstromanschluss seines Hobbykellers, hat er die Hecken seines Grundstückes mit Lichtschläuchen so stark erleuchtet, dass gestern Abend ein Airbus A 380 versuchte bei ihm im Garten zu landen. Der Pilot riss im letzten Moment die Maschine hoch und erfasste dabei das Schlittengespann von Frau Dahlke. Vielleicht gehören Sie, liebe Leser, ja zu den Leuten, die sich mit einer Kerze und einer Tasse Tee begnügen und das ist ausgesprochen weise. Denn wenn ich morgen meine kleine Dreierkette ans Netz hänge, könnte das passieren, was schon letztes Jahr passiert ist: Mit einem dumpfen wump schaltet sich das ganze Viertel vom überlasteten Netz und Sie gehören mit ihrer Kerze zu den Wenigen, die noch Licht habe

(Hamburg, 3. Dezember 2006)

 


Mit Sauerstoffmaske auf den Brocken

Liebe Leute,

ich dachte eigentlich, ich hätte die wirklich schauerlichen Reiseziele schon als Teenager mit meinen Eltern abgeklappert. Lüneburger Heide, Helgoland, Ötztal kurz: Gegenden, in denen ein tropfendes Softeis zu den einzigen Grenzerfahrungen gehört, die man haben kann. Wie konnte ich jetzt wieder rückfällig werden? Ich, der ich Thailand und Kanada gesehen habe?

Jedenfalls verschlug mich eine temporäre Einschränkung meines Urteilsvermögens in diesem Jahr in den Harz. Das ist ein deutsches Mittelgebirge und was Berge betrifft, weiß jeder, dass Reinhold Messner der erste Mensch war, der ohne Sauerstoffgerät den Mount Everest im Himalaja bezwungen hat. Wie ich um ein Haar der erste Mensch geworden wäre, der den Brocken im Harz mit Sauerstoffgerät wieder heruntergetragen worden wäre, kam so:

Kaum hatte ich meinen Landrover Defender beim Basiscamp auf 140 Höhenmetern geparkt, meine Trekkingschuhe geschnürt und die ersten Schritte gen Gipfelkreuz gewagt, hielten vier Reisebusse hinter mir, denen eine Hundertschaft quietschfideler Rentner aus dem Sauerland entstieg. Sie hetzen mich erbarmungslos wie bei einer Treibjagd bis auf 600 m, dann überholten sie, ohne mich weiter zu beachten, plauderten dabei fröhlich über ihre künstlichen Hüftgelenke und schmetterten das alte Lied: Ich hab Uran im Urin, da hilft kein Aspirin, ich muss auf Kur in die Natur, in den Harz, sagt der Arzt . Beinahe wäre ich vor ihnen gestrauchelt und hätte ein jähes Ende unter ihren Nordic Walking Stöcken gefunden. Obwohl: In ihrem Windschatten kam auch ich leichter voran, ich ließ mich quasi von ihrem nach Tosca und 4711 duftenden Kielwasser bis auf den Gipfel ziehen und nahm im Bergrestaurant ( Draußen nur Kännchen ) einen typischen deutschen Cappuccino ein, also lauwarmen
Filterkaffee mit Sprühsahne drauf.

Ich war so kaputt, dass mich beim Abstieg über den Südgrat die Dämmerung überraschte. Beinahe wäre ich erfroren, hätte ich nicht auf 500m die Pension Gisela entdeckt. Zwar hatte der Fernseher auf dem Zimmer keinen Antennenstecker, dafür war der Raum geschmackvoll mit Trockensträußen und Bildern von weinenden Harlekins dekoriert. Immerhin konnte ich den Fernsehton aus dem Nachbarzimmer hören, in dem der außer mir einzige Gast abgestiegen war, ein Vertreter für Vorwerck-Staubsauger, der seinen weißen Diesel-Passat neben den Terrakotta-Gänsen abgestellt hatte, und sich in voller Länge Wer wird Millionär" anschaute. Ich war gerettet. Unter der beigen Searsucker Bettwäsche meines Eichenbettes erholte ich mich rasch, rief ab und zu eine Antwort zum Vertreter rüber, der aber nicht reagierte und fasste den Entschluss, dass ich nach dieser schwachen Leistung im nächsten Jahr endgültig reif für eine zweite Expedition in die Lüneburger Heide bin, vielleicht
mit meinen Eltern.

 


Schriftstellerleben

Liebe Leute,

es freut mich sehr, dass mein Debütroman so gut angenommen wird. Bei amazon ist er inzwischen von der Top 100.000 in die Top 10.000 aufgestiegen. Als Schriftsteller werden natürlich hohe moralische Maßstäbe an einen angelegt, deswegen gestehe ich schon heute: Ich war nie Mitglied der Waffen SS und ich habe auch nicht vor, es zu werden!

Vieler Leser haben mich gefragt, wie lange es gedauert hat, das Buch zu schreiben, wie ich daran gearbeitet habe und ähnliches. Nun, es war so:
Da ich für das Schreiben des Romans eine gewisse innere Sammlung und Ruhe benötigte, kam er lange nicht zustande. Jedes Mal, wenn ich fest entschlossen war, mich an den Schreibtisch zu setzen, lud ich noch kurz die Waschmaschine, saugte das Zimmer und fand einige unbeantwortete E-Mails. Dann hängte ich die inzwischen fertige Wäsche noch auf, telefonierte, prüfte, ob etwas im Fernsehen lief und versuchte erst mal mein Leben in Ordnung zu bringen.

Unter idealen Bedingungen Schreiben konnte ich dagegen in der 3*** Ferienanlage Punta Reina auf Mallorca. In meinem Appartement mit Blick aufs Mittelmeer lenkten mich keine persönlichen Dinge ab und so schaffte ich es täglich nach dem Frühstück rund vier Stunden zu schreiben, den Rest des Tages verbrachte ich mit einer bezaubernden Frau schnorchelnderweise in der Bucht. Eine geniale Mischung, denn ganze Tage am Strand sind zu langweilig und länger als vier Stunden kann ich eh nie schreiben. Vier bis sechs Seiten schaffte ich so pro Tag. Doch was heißt es schon Seiten zu füllen, wenn am Ende von rund 350 über 100 wieder den Kürzungen zum Opfer fallen. Aber das Streichen scheint fast so wichtig, wie das Schreiben selber.

Einen Teil des Romans schrieb ich in Cafés, denn die murmelnde Betriebsamkeit der Gäste und das anregende Geräusch der Aufschäumdüse der Kaffeemaschine sind ein schöner Rahmen für die Arbeit, soweit die Gespräche an den Nachbartischen ein inhaltsloses Geräusch blieben. Sobald allerdings Sätze der Gäste mit ganzem Sinn mein Ohr erreichten ( Wolfgang kapiert einfach nicht, dass die REAG-Analyse auf dem Server ohne externe Dateien im System hängen bleibt ) war es mit der Konzentration natürlich vorbei. Im Gegensatz zu Wien steht man in deutschen Cafés als Gast ohne Begleitung, der stundenlang liest oder schreibt schnell im Verdacht ein Freak zu sein. Ein jähes Ende fand meine Ich-schreibe-in-Cafés-Phase, als mir eine Kellnerin im Café Zeitgeist in Hamburg verbot die Steckdose für meinen Laptop zu benutzen, wegen des Stromverbrauchs. Ich drohte, sie in meinem nächsten Buch zu beschimpfen, aber das ließ sie kalt. Entnervt verließ ich den Laden und hole die Beschimpfung, da in meinem Roman kein so fieser Charakter vorkommt, an dieser Stelle nach: Die Kellnerin mit dem blonden Pferdeschwanz im Café Zeitgeist in Hamburg ist eine ignorante Schlampe. So.

Ich bin hauptberuflich Stand up Comedian und jobbte einige Jahre als Warm Upper für Andreas Türk, Jörg Pilava, Sonja, Franklin, Britt, Vera am Mittag und Johannes B. Kerner. Die Liste wäre kürzer, führte ich an, für welche Moderatoren ich nicht das Warm gemacht habe. In meinem Roman geht es um Robert, der Stand up Comedian werden will und als Warm Upper jobben muss. Deshalb fragen mich natürlich alle, ob ich einen autobiographischen Roman geschrieben hätte. Aber ich erzähle nur aus einem mir bekannten Milieu und insbesondere die chronische Erfolglosigkeit der Hauptfigur Robert ist reine Fiktion : - )
Ich fand es reizvoll, die Welt in den TV-Studios zu hinterleuchten und die Arbeit eines Warm Uppers, ohne den es kaum noch geht im deutschen Fernsehen. Der Zuschauer wundert sich normalerweise nur, warum im Fernsehen immer so eine Bombenstimmung ist, selbst bei müden Spielen und lahmen Gags. Robert ist ein sympathisch schluffiger Held und in keinster Weise ein Oberchecker, der trotzdem mit aller Entschlossenheit sein Ziel verfolgt, berühmt zu werden.

Zur Zeit gibt es drei große Arbeitsgebiete rund um RAMPENFIEBER, nämlich Promotion, Promotion und ganz wichtig: Promotion. Dass erfolgreiche Bücher am erfolgreichsten sind, fand ich in einem Selbsttest heraus. In einer Hamburger Buchhandlung, deren Namen ich jetzt aus strafrechtlichen Gründen nicht verrate, entfernte ich aus dem Bestsellerregal, in dem bekanntlich jedes Buch ein eigenes Fach hat, den Platz eins. Irgendein Wälzer über Liebe, Verrat, Abnehmen und wie man mit dem Rauchen aufhört. Hinein stellte ich in dieses edle Fach, das mit einer großen roten Eins gekennzeichnet war, meinen kleinen Roman. Und siehe da: In der nächsten halben Stunde gingen gleich vier Exemplare weg, bis eine Buchhändlerin den Schwindel bemerkte und ich mich unauffällig verdrückte. Schließlich wollte ich nicht der erste Autor mit Hausverbot in einer Buchhandlung werden.

(1. September 06)

 


Mein 1. Roman ist da!

Liebe Leute,

inzwischen ist mein erstes Buch RAMPENFIEBER eine Woche auf dem Markt und es gibt schon erste Pressestimmen:

"saukomischer Debütroman, temporeich, spöttisch und herrlich zu lesen." Hamburger Abendblatt

"dran am Leben" Szene Hamburg

"das witzigste Buch des Sommers" Kurier, Wien

Das freut den Autor natürlich sehr. In Hamburg findet Ihr das Buch u.a. in allen Thalia Buchhandlungen auf dem Tisch. Ich hoffe, wir sehen uns auf der Buch Release Party am 16. August im Cafe Keese auf der Reeperbahn in Hamburg oder am 21. August in der Neuköllner Oper in Berlin.

(18. August 06)

 


Mein 1. Roman ist da!

Liebe Leute,

mein erster Roman ist da! Er heißt RAMPENFIEBER, erscheint im Satyr Verlag in Berlin und kann ab nächsten Freitag bei allen Thalia Buchhandlungen in Hamburg vom Tisch genommen werden oder auch bei www.amzon.de bestellt werden. Natürlich kann man ihn auch bei jeder Buchhandlung bekommen oder in Berlin bei Dussmann einstecken. Ich freue mich riesig!


Am 16. August gibt es dann um 20.00 Uhr die große Buchparty im Kaffee Keese auf der Reeperbahn, Tickets unter 040 430 929 49, und am 21. August um 20.00 Uhr in Berlin in der Oper Neukölln. Ich freue mich auf Euren Besuch und schreibt doch mal ins Gästebuch, wie Euch die Lektüre gefallen hat, dort darf auch gerne gelästert werden...


Alles zum Buch findet ihr hier gleich rechts unter dem Button DAS BUCH.

(21. Juli 06)

 


WM 2006

Liebe Leute,

da ihr sicher alle einen zweiten Wohnsitz im Ausland habt, eine Finca in Spanien, eine Ranch in Texas oder eine Datscha in Mecklenburg-Vorpommern, könnt ihr mich zur Zeit täglich, um 19.30 Uhr im Fernsehen sehen, wie ich für Deutsche Welle TV dem Phänomen WM nachgehe. Ich kann nur sagen: Mit Klinsmann kann man total entspannt über alles reden, außer über zwanzig Sekunden.

Für die Deutsche Welle schreibe ich außerdem ein täglich frisches Tagebuch, das unglaublich interaktiv ist. Ihr könnt dort auch alle Reportagen als Video on demand anklicken und jetzt sofort auf eurem PC angucken, wie ich die Spielerfrau von Poldi werde, Hildebrandt verkuppele, mit Franz telefoniere ( Wer zur Hölle hat ihnen meine Telefonnummer gegeben? ) und einen Haufen betrunkener, aber bisher friedlicher Fans aus aller Welt begrüße.

Hier der direkte Weg zu den wirklich kulturellen Themen der WM: blogs.dw-world.de/wm-reporter

Den Rest des Junis wollte ich eigentlich wie die meisten Landsleute einen Fernseher anschreien. Ich war optimal vorbereitet. Fünf Säcke Grillkohle - natürlich von der Fifa genehmigt. Damit können Spezial-WM-Steaks in den Konturen Deutschlands in den Nationalfarben schwarz, rot, gold zubereitet werden - also verbrannt, roh und gerade richtig.

Schon Ende Mai saß ich in einer Art technischer Durchlaufprobe in meinem WM-Klappstuhl, in der Hand einen aufblasbaren WM-Bierhumpen. Die WM-Bettwäsche war aufgezogen, der neue extra aus Holland eingeflogene Rasen hinter meinem Reihenhaus gut angewachsen. Die WM-Haussschuhe, der WM-Teppichschaum und das WM-Aquarium, alles an seinem Platz, da klingelte das Telefon und folgender Job traf ein: 

Nun moderiere ich, und ihr seid alle eingeladen zu kommen, in Hamburg beim Viewing Point auf dem Heiligengeistfeld, nämlich am 15., 22., und 30. Juni, sowie dem 4., 5. und 9. Juli jeweils eine halbe Stunde vor dem Spiel. Dort könnt ihr zusammen mit 50.000 Fans aus dem Hamburger Osten eine riesige Leinwand mit Flaschen bewerfen oder eine der verschiedenen gastronomischen Highlights genießen, wie z.B. den beliebten Schwenkgrill. Genaugenommen moderiere ich die Thosiba be part of the game show . Ihr solltet unbedingt dabei sein, wenn ich wertvolle Unterhaltungselektronik als Give aways unters Volk schmeiße.

Übrigens: Am 21. Juli erscheint mein erster Roman.
RAMPENFIEBER kann jetzt schon bei amazon geordert werden, aber davon später mehr.

Ich wünsche Euch, ob von der WM begeistert oder genervt, einen schönen Sommer und wenn wirklich etwas passiert. Bruce Willis steht bereit, das Land zu retten, auch wenn er im Moment einen unauffälligen Job angenommen hat und Werbung für den Baumarkt Praktiker macht ( 20% auf alles, außer Tienahrung ), aber wenn wir ihn wirklich brauchen, schnappt er sich ein paar Akkuschrauber und holt uns da raus!

Viele Grüße

der schnoy

(10. Juni 06)

 


Europa

Liebe Leute,

gerade komme ich aus Budapest, auch bekannt als das Paris des Ostens, wobei Prag natürlich auch eine Art Paris des Ostens ist. Dazu gibt es noch Stockholm, das Paris des Nordens, Venedig, das überflutete Paris des Südens und selbst Wismar scheut sich nicht mit dem Titel: Paris Mecklenburg-Vorpommerns zu werben, kurz: Vergleiche mit Paris sind beliebt. Niemand würde hingegen auf die Idee kommen, Paris als das Budapest Frankreichs zu bezeichnen. Wismar ist dagegen eher das Bukarest Mecklenburg-Vorpommerns und Oslo das Helsinki Schwedens. Fast bescheiden übt sich dagegen Dresden als Elbflorenz. Wenn sich die Jahrhunderthochwasser allerdings weiterhin so gut entwickeln wie in den letzten vier Jahren, wird Dresden vielleicht bald das Elb-Bangladesh.

Europa ist voller Kultur und jede Stadt hat ihre eigenen Spezialitäten, die es zu entdecken gilt. Kürzlich war ich in Wien mit seinen schönen Kaffeehäusern. Den besten Melange gibt es dort am Westbahnhof bei Starbucks. In Paris, der göttlichen Modestadt erstand ich im März ein Sakko bei Asch et Em, dann ging es nach Bordeaux dem Mekka des Weins, wo ich bei Carrefour an einer Weinprobe teilnehmen konnte und eine Kiste köstlichen Zinfandel aus dem Weingut des Julio Gallo erstand. In Lissabon gibt es den frischesten Fisch der Welt. Täglich legen die Kutter an und beliefern die Nordseerestaurants der Fußgängerzone. In München findet man in der Leopoldstraße den besten Irish Pub mit einem einmaligen Forsters vom Fass. Europa nutzt Synergie-Effekte und so können wir endlich auch in Italien Schuhe bei Deichmann kaufen.

Hamburg ist natürlich so schön, dass gleich mehrere Städte für einen Vergleich herhalten müssen. Es ist nicht nur das Amsterdam, sondern zugleich das Venedig des Nordens, hat es doch mehr Brücken als beide Mitbewerber zusammen, außer in den Jahren 42 bis 46, da waren es weniger Brücken als in Buchholz.

Die Reeperbahn ist ein gutes Stück weiter, Hamburgs Broadway zu werden. Ihr habt es sicher schon mitbekommen: Im Cafe Keese hat der Quatsch Comedy Club eröffnet. Nach den ersten Jahren im Mojo und Imperial Theater gründeten Thomas Hermanns und seine Crew im Berliner Friedrichstadtpalast im Souterrain das neue Stammhaus des Quatsch Comedy Clubs, nun gibt es eine erste Filiale, nämlich im Cafe Keese. Die Tischtelefone wurden weggeräumt und nun können 300 Zuschauer jeden Abend von Donnerstag bis Sonntag vier der besten Stand up Comedians aus Deutschland anschauen. In den nächsten Monaten werde ich dort ab und zu moderieren. Schaut mal unter Termine nach.

Ansonsten geht es abwärts mit Deutschland, sogar Slums soll es laut Innenminister Wolfgang Schäuble wieder geben und zwar in Berlin Neukölln und Hamburg Billbrook. Kennt Ihr jemanden, der in Billbrook wohnt? Ruft an: 040 430 929 49 und gewinnt einen Auftritt in der SCHNOY SHOW bei Tide TV (immer Di, 22.30 Uhr und Do, 20.30 Uhr)

Hier noch mein allerneuester Service. Ist Euer PC hoffnungslos überladen? Dann zückt den Edding, denn jetzt kommt auch für Euch der lang ersehnte
RAUM FÜR NOTIZEN:


















Gehabt Euch wohl, der Schnoy

 


Holländer mit Sommerreifen

Liebe Eingeschneite,

was nützt uns der beste Range Rover Defender mit Allrad und Untersetzung in British Racing Green, wenn vor uns auf der A (hier eine beliebige Zahl einsetzen) ein Holländer mit Sommerreifen liegen bleibt? Der Holländer mit Sommerreifen geistert zur Zeit durch die Infotainment-Magazine, als hätte sich eine ganze Nation auf die Bereifung abgesprochen. Am schlimmsten sind die Holländer, die gleich mit 12 Sommerreifen liegen bleiben, da es sich um Trucker handelt. Umkippen ist eine Sache, aber dabei noch die ganze Ladung mit gefrorenen Schlemmerfilets a la Bordelaise auf die ohnehin vereiste Straße auszukippen - das geht zu weit.

Beim Brennpunkt zum Thema Schnee, steht der Moderator natürlich im Schnee, damit auch der letzte Depp dem Thema folgen kann: Schneechaos. Erste Selbstmörder erfrieren auf den Gleisen, weil der Zug nicht kommt Und doch: Es gibt auch die gute Nachricht, die bei Schneekatastrophen immer gleich lautet: Zumindest die Kinder hatten heute Spaß beim rodeln. Ganz egal ob Papi die ganze Nacht im Schneeräumer sitzt, Mutti sechs Stunden im Stau steht, das ganze Land in die Knie geht wegen der Holländer, Hauptsache diese Rotzblagen hatten ihren Spaß.

Wir Hamburger wollen endlich unseren Regen zurück. Nach der gescheiterten Olympia-Bewerbung vom letzten Jahr (Motto: Spiele am Wasser) bewirbt sich Hamburg erneut, diesmal für die Winterspiele (Motto: Spiele im Regen). Eigentlich könnte alles so schön sein. Der Streik ist vorbei. Die Recyclinghöfe haben wieder auf, endlich kann man wieder ins Dänische Bettenlager und zu Roller (Rolls raus) und sich beim Rodeln mit dem wortassoziativen Widerspruch im Titel „Brennpunkt Schnee“ beschäftigen. Spätestens wenn alle Holländer Winterreifen haben ist Sommer und das, was uns heute beschäftigt Schnee von gestern.

NeuSchnoy im März:
Ich freue mich auf meinen ersten Auftritt in Wien am 8. im Schmäh-Stadl.
Vom 9. bis 12.3. moderiere ich den Quatsch Comedy Club in Berlin und besonders freue ich mich auf den
15. März,
denn dann feiert die Catbird Comedy Show ihren 6. Geburtstag mit einer XXL-Comedy Gala der Extraklasse. Die fünf besten Komiker aus sechs Jahren haben Kerim Pamuk und ich zu einer Showsause der verrücktesten Art ins Imperial Theater eingeladen. Markus Pingel aus Kiel wird über die Bühne fegen, Michael Sens aus Berlin das Theater aus den Angeln heben und was dann noch stehen bleibt wird von Emmi und Herrn Willnowksy, den charmantesten Abrissbirnen der Comedy dem Boden gleich gemacht. Dann ist das Imperial barrierefrei und kann von den Specialgästen, den Happy Oldie Singers betreten werden mit einer Performance, die sie nicht so schnell vergessen werden, versprochen. Bei der Jubiläumsshow heißt es: Schnell Karten sichern, sonst sind sie weg!
Trotzdem gibt es ein Codeowrt, mit dem ihr an der Kartenkasse 5,- € spart (11,- statt 16,-), nämlich FARMSEN. Kartentelefon: 040 31 31 14
weitere Infos unter www.catbirdcomedyshow.de

Wenn ihr Kabelfernsehen habt, schaut doch mal meine kuschelige Schnoy Show bei Tide TV. Jeden Dienstag gibt es eine neue Sendung, um 22.30 Uhr (Wh. Do 20.30 u. Sa 17.30). Es gibt neue Rubriken, wie die Taxifahrerdoku "Auf der Standspur des Lebens", "die Abenteuer der Saftschubse Susi" und vieles mehr.

 


Kein Knäckebrot in Teheran

Liebe Leute, was ist bloß los da draußen?

Der Iran boykottiert nun also Dänemark. Ein sofortiger Stopp aller Joghurt- und Knäckebrotlieferungen soll die Wikingerpresse in die Knie zwingen. Das internationale Konfliktmanagement erinnert mich zuweilen an die gute alte Schulhofdiplomatie (Du hast mein Radiergummi weggeworfen dann schütte ich deine Federtasche aus. Dann schüttest du meinen Ranzen aus und ich trete dir das Licht vom Fahrrad ab usw.).

Was ist das für eine Welt, in der die Hamas zu den wenigen Betrieben gehört, die noch ausbilden? Bei uns sind viele schon für einen Ein-Euro-Job dankbar. Jüngst erwarb ich ein Duplo am Kiosk in der Davidstraße. Als ich mich über den hohen Preis von 95 Cent beschwerte, rechtfertigte der Verkäufer diesen damit, dass der Ein-Euro-Jobber fast eine Stunde gebraucht hätte, den Schokoladenblock in diese Form zu lutschen.

Die Löhne sinken, die Preise steigen. Für zwei Packungen ganz normale Standardtabletten sollte ich vor wenigen Tagen fast zwanzig Euro bezahlen. Als ich vor Wut schäumte machte mir der Apotheker ein Angebot. Für nur fünf Euro mehr könne er mir noch ein Präparat beilegen, von dem ich wieder bessere Laune bekäme.

Nur wenige Manager können noch richtig absahnen. Ihr erkennt sie an ihren Geländewagen, die von Jahr zu Jahr größer werden. Je geländegängiger desto besser. Wenn dieser Trend anhält werden im nächsten Jahr die ersten Manager mit dem Trecker ins Büro fahren.

Auch in unserer schönsten Stadt der Welt ist selbige aus den Fugen. Die neueste Reform im Hamburger U-Bahnnetz, kurz: Das Durcheinander auf den Strecken U2 und U3 bringt plötzlich zahllose Empfänger von Transferleistungen statt in den Hamburger Osten in die Feng Shui Stadtteile rund um den Isemarkt. Gleichzeitig fahren FAZ-Abonnenten versehentlich nach Horn und werden unfreiwillige Teilnehmer eines Crashkurses in Sachen Multikuli. Vorbei die Zeiten als noch die Alliierten das Hamburger U-Bahnnetz übersichtlicher machten. So wurde 1946 die Linie nach Hammerbrook eingespart, nachdem der Stadtteil verschwunden war. Auch die U3 wurde verkürzt. Sie fuhr nur noch bis Mümmelmannsberg und nicht mehr bis Stalingrad. Doch seitdem wuchert das Netz erneut. Die Anbindung von Harburg haben viele dem HVV bis heute nicht verziehen.

 


Die Schnoy Show auf TIDE TV

Schön nach Hause kommen, Füße hoch und Schnoy Show gucken, das geht immer dienstags, um 22.30 Uhr und donnerstags um 20.30 Uhr auf TIDE TV, Hamburgs Jugendsender Nr. 1. Themen der nächsten Sendung: SEX MIT MÖBELN, HILFE; MEIN NACHBAR WOHNT NEBEN MIR! und TODESSTRAFE FÜR MITTELSPURSCHLEICHER. Schaut mal rein.

 


Geständnis

Liebe Leute,

ich weiß nicht wie viele Jahre noch vergehen müssen bis endlich alle, die bei mir anrufen, merken, dass ich vor Mittag nicht zu sprechen bin. Ich gestehe es hiermit schwarz auf weiß, und es kann damit auch gerichtlich gegen mich verwendet werden: vor 12.00 Uhr nehme ich keine Anrufe entgegen, keine Termine wahr, fange ich nicht mal an zu arbeiten.

Gerade in unserem Land kommt diese Offenheit an Dramatik dem Geständnis gleich, ich würde hin und wieder Nachbarn einfangen, mit der Kettensäge zerteilen und in Müllsäcke stopfen. Die einen wollen mich belehren. Früher Vogel fängt den Wurm, sagen sie mir. Aber was heißt das eigentlich für den Wurm? Er kann doch nur zu einer Erkenntnis kommen: Lange liegen bleiben ist das sicherste, was man machen kann. Mir geht es ähnlich. 
Bei wissenschaftlichen Versuchen, eher aufzustehen ich habe es also durchaus schon versucht stieß ich verschiedene Gegenstände um, die zum Teil dunkle Flüssigkeiten auf hellen Teppichen verteilten, setzte mich an meinen Schreibtisch und schlief beim Versuch irgendetwas kreatives zu machen wieder ein.

Außerdem, was verpasse ich eigentlich zwischen sechs und zwölf? Frühaufsteher müssen ihr Auto ab November oft mühselig von Eis befreien, berichten von schlimmen Wintereinbrüchen, die schon am späten Vormittag längst geräumt, wenn nicht geschmolzen sind. Dann reihen sie sich in riesige Staus ein und fahren im Schritttempo über die Elbbrücken. Schon aus sozialer Verantwortung halte ich mich da raus, will den Stress für die Pendler nicht noch erhöhen. Falls Sie mal wieder vor neun irgendwo festsitzen oder in der U-Bahn keinen Sitzplatz bekommen, denken sie an mich, ich bin daran unschuldig.

Andere belästigen immer wieder meinen Anrufbeantworter mit Sprüchen wie Hey, aufgestanden du fauler Sack, hier ist Wolfgang. Wobei ich bei Wolfgang nicht mal abnehme, wenn ich putzmunter neben dem Hörer sitze. 
Einige besonders hartnäckige Bekannte begrüßen mich sogar persönlich immer mit dem Satz: Na, schon aufgestanden? Ganz gleich, ob wir uns nachmittags oder am Abend treffen, als verbrächte ich den größten Teil meines Lebens schlafend in einem Sarg. Wer nicht früh aufsteht macht sich verdächtig, nicht richtig zu arbeiten, und darauf steht bei den Deutschen wäre sie nicht schon verboten die Todesstrafe.

Deshalb soll mich eine im nächsten Satz eröffnete Gegenrechnung entlasten: Wenn ich von zwölf bis drei über meinen Texten brüte, anschließend in ein gottverlassenes Nest mit dem Namen Klein Breese fahre, um dort eine Vorstellung in der Reihe Kultur in der Südheide zu geben, dann bin ich frühestens gegen Mitternacht in Hamburg, komme also auf zwölf Stunden verdammt harte Arbeit, aber das zählt nicht, was zählt ist, ob ich am nächsten Morgen um acht abnehme.

Ich erweitere meine Gegenrechnung: Onkel Claus, einer meiner kritischsten Verwandten ( Was machst du eigentlich tagsüber? ) steht, obwohl er Rentner ist, jeden Tag um sieben auf, schneidet bis elf Zeitungsartikel aus, um sich sofort nach dem Mittagessen für zwei Stunden hinzulegen. Am Nachmittag heftet er dann die Artikel nach Themen geordnet in Leitzordner und schläft am Abend kurz nach der Tagesschau schon bei der ersten Wette von Wetten, dass? in seinem Sessel ein: Macht summa summarum schlappe sechs Stunden Arbeit. Vor diesem Hintergrund brauche ich mich wirklich nicht zu schämen. 

Im übrigen kann kein Künstler jeden Tag zwischen acht und siebzehn Uhr, einem Angestellten gleich, an seinem neuesten Bild rumtupfen, auf die Schreibmaschine einhauen oder eine Sinfonie Seite für Seite runterkomponieren. Kreative Energie bewegt sich in etwa so wie der Verkehr im Elbtunnel. Mal kommt man schnell durch, mal staut es sich und kommt zum Stillstand. Niemand würde im Stau behaupten, es sei das beste, einfach Vollgas zu geben. Nein, man muss abwarten. Und das muss der Künstler auch, denn beim Warten lichtet es sich und irgendwann geht es weiter. Für Esoteriker mag das Gleichnis mit dem Elbtunnel etwas unkuschelig sein, aber so ist es nun mal und da würde sich auch nichts dran ändern, wenn der Tunnel nach Feng Shui eingerichtet würde. Dann würden höchstens einige nicht mehr rausfinden.

Aber jetzt die gute Nachricht für alle, die überlegen den Künstlerberuf zu ergreifen. Die Zeit des Abwartens, wenn eine Idee ins Stocken gekommen ist oder eine neue ausgebrütet werden will, nur in unserem Kopf, für niemanden sichtbar, diese Zeit gilt als Arbeitszeit. Und es ist das Beste, sie nicht verzweifelt vor der Staffelei oder dem Schreibtisch zu verbringen, nein es ist vielmehr sinnreich, sie möglichst nett zu gestalten. Denn diese dringend benötigte Idee für die Vollendung einer Komposition oder den Plot eines Drehbuches reift viel besser, wenn wir uns amüsieren, auf Reisen gehen oder einfach auf dem Sofa liegen. Sie zündet vielleicht genau in dem Moment, wo wir mit Fremden laut Ich bin der Anton aus Tirol grölen, oder uns in der Achterbahn auf dem Dom, das, was wir im Looping oben erbrochen haben, unten ins Gesicht schlägt oder einfach dann, wenn wir im Gras eingeschlafen sind und irgendwann wieder aufwachen. Jetzt geht es natürlich zurück ins Atelier und manches Werk wird am Ende auch in tagelanger Nachtarbeit, in einem Zuge zu Ende gebracht, schließlich würde auch niemand im leeren Elbtunnel, durch den man einfach so durchrauschen kann, anhalten, nur weil Feierabend ist.

 


Seht mehr fern!

Ich freu mich riesig. Meine SCHNOY SHOW auf Tide TV wurde von den Zuschauerinnen und Zuschauern in einem mehrwöchigen SMS-Voting zur beliebtesten Sendung gewählt. Ich hätte es aber nie auf den Stuhl des Anchormans geschafft wenn nicht die unermüdliche Klara Koch (Börse), der unübertreffliche Stefan Knospe (Blitzer) und der unvergleichliche Jannis Zaurins (Bericht aus Bonn)soviel Ausdauer gezeigt hätten. Mein Dank geht auch an meine beiden Showbands Fabio and the Malagutis und die Café Royal Allstars und natürlich an das technische Team von Tide. Ohne Verena (Bimi), Anja (AL), René (Licht setzender Kameramann), Rolli (Ton), Abdullah (Kamerakind), Katrin (andere Kamera), und auch Wolf(technischer Headhunter), Christiane (technische Notaufnahme)und Inken (Kunsttherapeutin) wäre keine Sendung zustande gekommen. Mehr Infos unter www.tidenet.de Die SCHNOY SHOW läuft immer Di (22.30 Uhr), Do (20.30 Uhr) und Sa (17.30 Uhr)auf Tide (da, wo manchmal auch BBC zu sehen ist).

 


Hotelrandale

Wenn einschlägige Rockbands in Hotels absteigen, ist niemand überrascht, wenn Fernseher aus den Fenstern fliegen und sämtliches Mobiliar zu Bruch geht, im Gegenteil: Hotel Manager, Assistant Director und wie sie alle heißen erwarten dies geradezu. Von mir als reisendem Kabarettisten wird vielmehr erwartet, dass ich nicht zu spät ankomme, ein wenig in der Nachttischbibel blättere und das Zimmer am nächsten Tag pünktlich um neun räume. Das muss sich ändern! Ich will auch Fernseher schmeißen und damit beim Personal ein bewunderndes Murmeln auslösen, das soviel bedeutet, wie: Nun gut, er ist halt Kabarettist. Das Image von uns Wortkünstlern muss einfach verwegener werden und ich bekenne es hier auch wenn es mir eine Anzeige einbringen könnte ich habe schon mit dem Randalieren angefangen! Vor kurzem stieg ich in der Pension Haus Berchtesgaden in Goslar ab, eine jener Herbergen, die von der Wirtin noch persönlich mit weinenden Harlekins und Trockensträußen dekoriert wird und die es sich nicht nehmen lässt zum Frühstück die Brote einzeln zu schmieren und einem vom anderen Tischende aus solange anzustarren bis man alles runtergeschluckt hat. Hier wollte ich ein Exempel statuieren. Kaum betrat ich mein Zimmer, fixierte ich den Grundig Fernseher, der wenige Minuten später auf der Hofeinfahrt zwischen Terrakotta-Gänsen aufschlagen sollte. Allein, das Monstrum war zu schwer (Bildschirmdiagonale 63cm, davon 58 sichtbar). Ich bekam ihn einfach nicht hoch. Auch das Eichenbett und die Kommode eigneten sich nicht, aber ich konnte doch schlecht einen Trockenstrauß aus dem Fenster werfen, ohne mich lächerlich zu machen. Aber ich musste etwas kaputt machen, ich musste! Da sah ich das Häkeldeckchen, das liebevoll auf dem Fernseher drapiert worden war und verlor die Kontrolle. In blinder Zerstörungswut stieß ich das Deckchen mit dem Handrücken in die Ecke und lachte dabei diabolisch.

Noch warte ich auf die Zeitungsartikel, die der Betreiber der Goslarer Kabarettscheune sammeln und dann an mich schicken wollte. Das dauert nach diesem Skandal natürlich etwas länger. Zwar tut mir die Wirtin auch leid, aber darauf konnte ich keine Rücksicht nehmen.

 


Früher war alles besser

Liebe Leute,

es geht abwärts mit Deutschland, viele müssen inzwischen Jobs annehmen, die sonst die Polen für uns gemacht haben, siehe Spargelstechen oder Papstamt. Osteuropa boomt dagegen. Ukrainer jobben zwar noch auf deutschen Kreuzfahrtschiffen, aber wenn die Ukraine bei 6% Wirtschaftswachstum bleibt und wir bei o,1% dann gibt es spätestens 2009 das erste ukrainische Kreuzfahrtschiff auf dem Deutsche kellnern müssen....umjotteswilln!

 


Der Papst ist tot, der Papst ist tot.

Und plötzlich waren alle Katholiken. Alle wollten nach Rom. Der nicht abreißende Besucherstrom wurde aus Platznot zum Teil schon an der Stadtgrenze abgefangen und nach Monacco umgeleitet. Johannes Paul II. war lange im Amt, galt als der Helmut Kohl unter den Päpsten und war zu Recht umstritten. Der Nachfolger, so hoffen viele, möge doch etwas liberaler sein. Kondome ja, aber mit Loch vorne drin. Das wäre doch ein Kompromiss. Indes die deutsche katholische Gemeinde schrumpfte in den letzten 27 Jahren mehr als je zuvor. Beispiel: Ich wohne direkt neben einer katholischen Kirche, die jeden Sonntag, um neun an die 100.000 Anwohner im Stadtteil aus dem Schlaf bimmelt. Vor lauter Verzweiflung bin ich mal hingegangen und rieb mir die müden Augen: Zwölf waren erschienen. Ich sprach im Anschluss den Pfarrer an, sagte ihm, dass ich die Telefonnummern der Zwölf notiert hätte und ihm anbieten würde, die Gruppe am nächsten Samstag Abend einzeln anzurufen, um sie für den Sonntag pünktlich einzubestellen. Im Gegenzug sollte er darauf verzichten das Glockengeläut zu läuten. Der Deal platzte noch auf den Stufen der Kirche. Nun ja, aber was den Johannes Paul betrifft, wurde er selbst mir als gewaltbereiten Heiden am Ende doch noch sympathisch, schließlich - und das muss man ihm wirklich lassen - hat er uns eine Woche Harald-Juhnke-Filme erspart.

 


Aaaahhhh 380

Es geht aufwärts mit Deutschland, aufwärts mit Europa. Dies verdeutlicht kein Projekt mehr als das Richtfest für den A 380. Die großen europäischen Kulturnationen England, Frankreich und Deutschland häuften hierfür all ihr technisches Know How auf einen Haufen. Das gab es zuletzt beim D Day in der Normandie '44. Jedes Land bringt seine Stärken ein: Die Sicherheitstechnik kommt von den Franzosen, concordeerprobt, die Bordküche kreierten die Engländer (zwei Menüs: Fish and Chips und Chips and Fish)und die Deutschen gestalten auf 33 Video- und Audiokanälen das Entertainmentprogramm(Vom Musikantenstadl bis Scheibenwischer alles dabei). Gerade noch rechtzeitig konnte in Hamburg die Startbahnverlängerung in Finkenwerder gesichert werden, nun allerdings nicht in die Obstgärten im Alten Land, sondern in die andere Richtung bis vor die Strandperle. Die Endmontage sichert Arbeitsplätze und selbst Harburg steuert seinen Teil dazu bei. Ein in der Uni gefunder Zettel am schwarzen Brett mit der Aufschrift "Hamas - wir bilden aus." führt direkt zur neuen Pilotenausbildung für die Enddemontage.

 


Vorsätzlich

Da das Brechen von guten Vorsätzen im neuen Jahr für Verstimmungen der eigenen Stimmung führen kann, habe ich mir nur solche Vorsätze gesetzt, deren Brechen absolut fortschrittlich ist. Also: In 2005 will ich endlich mit dem Rauchen anfangen, auf Sport ganz verzichten, 10 Kilo zunehmen, mehr Fernsehen sehen, weniger Lesen und mich ausschließlich von Fred Ferkel ernähren...

 


Ich bin ein freies Land!

Als Künstler lebe ich heute schon so, wie es für sie, verehrtes Publikum, erst mit Hartz 7 vorgesehen ist. Frei von Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaubsgeld, 13. Monatsgehalt, Schlechtwettergeld und anderem Schnickschnack bin ich nicht nur mein eigener Chef, mein eigener Angestellter; ich bin inzwischen: Ein freies Land. Und so heißt auch mein neues Soloprogramm. Es hat am 1. Dezember um 20.00 Uhr Premiere(B-Premiere am 2.12., C-Premiere am 3.12.) im Polittbüro in Hamburg (Steindamm 45, Kartentelefon: 280 55 467)
Kommt alle, denn nach diesen Tagen wird nichts mehr bleiben wie es war.

 


Ich ficke Dir!

Um heute mehr als offen zu sein: In der Top 10 der Lärmbelästigungen, die man nicht von seinen Nachbarn hören will, kommt noch vorm Schlagbohren und Bodenabschleifen auf Platz 1 ein natürliches Geräusch, eines, das, nun wie soll ich sagen, kurz und gut: Nichts ist schlimmer als kopulierende Nachbarn. Oder anders gesagt: Kopulierende Nachbarn sind das schlimmste! Geräusche, die, sofern man an ihrer Erzeugung selbst beteiligt ist oder diese auf zumindest selbstgekauften DVDs hört, als natürlich empfindet sind von Nachbarn eine Zumutung. Ein Beispiel. Der neue Lover, meiner Nachbarin ist kein Studienrat, der Zeitreisen bucht, darauf kommt es auch nicht an, ich weiß; er hat ein Restaurant für kroatische Spezialitäten, wie dem auch sei, wenn er zu Besuch ist, also jeden Abend, kommt es zu -wie hat Schill das noch formuliert?- liebesaktähnliche Akte. Dabei äußert oder ruft er immer wieder den Satz "Ich ficke Dir!" Ich bin nicht kleinlich, aber nach Wochen des Beiwohnens habe ich es doch irgendwann auf den Hinterhof geschrieen: "Ich ficke Dich, nicht Dir kapier das endlich." Bin ich da zu weit gegangen?

 


Endlich: eine eigene TV-Show!

Meine Villa, meine Yacht, mein Baum, mein Astra, erst kürzlich spielte ich wieder jenes beliebte Wohlstandsquartett auf der Terrasse des Lions Club mit meinem Freund Wolfgang, einem gerade erst freigesetzten Webdesigner, der just am selben Tag einen handgemalten Zettel mit der Aufschrift "Wer übernimmt meinen Leasingvertrag?" in die Scheibe seines silbergrauen Audi TT gefrimmelt hatte. Seine letzte Karte: "60 EM-TV Aktien im Wert von 0,- Euro" unterlag meinem Killer-Joker: "eigene TV-Show". Hihihi. Seit ein paar Wochen bin ich nämlich auf Hamburgs neuem Stadtsender Tide TV mit einer wöchentlichen Sendung auf Sendung. In der "Schnoy Show- das wahre Künstlerleben" plaudern Kolleginnen im weitesten Sinne, wie z.B. Kay Ray, Front-Comedian des Schmidts TIVOLI, über die Vorteile des Künstlerlebens und geben Tipps, wie ihr selbst in den Genuss dieses Berufes kommen könnt. Der Autor und Literaturaktivist Hartmut Pospiech riet: "Schriftsteller werden, lieber heut als morgen." Wolfgang schreibt jetzt an einem einen Enthüllungsroman aus der Start Up-Szene. Außerdem gibt die Plüschpuppe Eddy Elbe, Kalauer zum besten und zeigt die Top 10 der pantomimischen Stunts wie "die Treppe" oder "der Fahrstuhl". Also, das dürft Ihr nicht verpassen: Immer dienstags, um 22.30 Uhr (Wh. do, 21.00 u. Sa 21.30 Uhr) Zu gast in Kürze: Der Schauspieler Janis Zaurins, der im Imperial Theater auf der Reeperbahn im Krimi "Das indische Tuch" fünf Mal die Woche auf bestialische Weise erwürgt wird....

 


So schön ist der Norden

Warum reagieren wir Norddeutschen nur immer so hysterisch, sobald es etwas sonnig wird? Klar: Wir wissen, es kann so schnell wieder vorbei sein, also panisch die Klamotten vom Leib reißen, in die erste Grünanlage auf den Rasen legen, auf die Hundescheiße (die zum Glück noch gefroren ist)und ganz wichtig für alle, die gerne prominent tun: Die Riesensonnenbrille aktivieren. Ist klar: Nach sechs Monaten Finsternis vertragen wir keine Helligkeit mehr und sind auf die Hannelore-Kohl-Gedächtnis-Brille angewiesen. Das schönste im April: Die nächste Catbird Comedy Show im Imperial Theater (21. April), denn da kommt als Gaststar Kay Ray, der erst kürzlich zu mir sagte, er habe sich bei seinen vielen Auftritten im Schmidt Theater, wo es Backstage keine Toilette gebe und er deshalb in eine Fantaflasche pinkeln müsse oft gefragt, ob das das Leben ist, was er sich gewünscht hat, aber als dann einmal Corny Littmann nach hinten kam und die Flasche austrank, da wusste er es wieder.... Karten: 31 31 14..kommt alle!!!

 


No Sex in the City!

Was haben die Memoiren von Daniel Küblböck und Ronald Reagan gemeinsam? Beide passen auf ein Blatt Papier. Der eine hat nichts erlebt, der andere erinnert sich nicht mehr. Ich habe immer die Gemeinsamkeiten von Amiland und Deutschiland gesucht, aber seit ich versucht habe AOL zu kündigen ist das vorbei. Habt ihr das schon mal probiert? Mitglied werden ist so einfach, nur ein Klick und schon wird abgebucht, aber sucht mal den Button "Mit einem Klick zu Kündigung". Den gibt es nicht. "Um zu kündigen..." beschied mir ein Callcentersupportmanager mit 0190er Nummer,"...müssen sie uns einen unterschriebenen Brief schicken." Warum nicht gleich einen berittenen Boten?
Am meisten rege ich mich zur Zeit über die Prüderie der Amis auf. Kein Sex im Fernsehen, dafür Mord und Totschlag rund um die Uhr. Man muss kein Psychologe sein, um zu wissen, dass sexuelle Frustrationen auch in Agression umschlagen können. Vielleicht deshalb die ganzen Kriegseinsätze. Sollen sich die Amis mal lieber entspannen. Aber das Gegenteil ist der Fall: Bush hat seine Landsleute aufgefordert, sexuelle Enthaltsamkeit zu leben. Das beste Mittel, um dies umzusetzen ist die Burgerernährung. 80% der amerikanischen Jugendlichen sind inzwischen zu fett und 20% zu dick. Jurassic Park I bis III war keine Computeranimation, das war ein Kinderfasching auf der Highschool. Die wenigen schlanken Amis müssen ins Showbusiness, wie Janet Jackson. Als die beim Superball auf der Bühne einen Busen zeigte mit Stern drauf (Mit Verlaub: Das gilt bei uns noch als angezogen), wurde im Stadion das Licht ausgedreht und die TV-Übertragung unterbrochen. Zur Ablenkung spielten die Sender Kriegsbilder aus dem Irak ein. Arme Amis. Ich finde "Old Europe" klingt inzwischen fast schon sexy. Besseres Essen und besseren Wein, ganz zu schweigen vom Bier, hatten wir ja eh schon...

 


Die Catbird Comedy Show zieht ins Imperial Theater!

Verehrtes Publikum!

Die Catbird Comedy Show zieht um. Nach rund vier schönen Jahren im goldbekHaus wechseln wir auf die Reeperbahn und bedanken und bei Peter Rautenberg und seinem Team, für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und dafür, dass er uns damals überhaupt auf die Bühne gelassen hat.

Unser neuer Spielort ist das Imperial Theater
Reeperbahn 5, 2 Gehminuten von der U3-Station St. Pauli, mit eigenem Parkhaus, in dem unsere Zuschauer von 18.00 Uhr bis 1.00 für 3,- parken können, auch mit Fahrrädern.
Karten gibt es weiterhin ab 9,- , allerdings auch bis 16,- .
Wir wechseln vom 3. Freitag im Monat auf den
3. Mittwoch im Monat.
!!!Premiere ist am 18. Februar !!!
mit den Gästen:
Vince Ebert (wer ihn gesehen hat, ist Fan),
Emmi und Herr Willnowsky (das Chaoskultpaar aus Steilshoop) und Matthias Brodowy (Gewinner des Jugend kulturell -Preises)
Karten gibt es ab sofort, täglich ab 10.00 Uhr bei der Kartenkasse des Imperial Theaters unter: 040 313 114
Um uns vom goldbekHaus gebührend zu verabschieden, gibt es aber noch die
letzte Catbird Comedy Show in Winterhude. Am
16. Januar haben wir mehr Künstler eingeladen als je zuvor. In der großen Good bye goldbekHaus-Gala treten auf: HERRCHENS FRAUCHEN mit Gunther Schmidt und Lisa Politt, Käthe Lachmann, Anny Hartmann aus Berlin, Horst Fyrguth aus Köln, Poppschutz und viele andere. Das wird ein Riverdance der Kleinkunst , ein Ben Hur der guten Laune . Karten gibt es ab sofort in beschränkter Stückzahl an den Vorverkaufskassen Schanzenstraße 5 und Gertigstraße 4, sowie unter der Hotline der Catbird Comedy Show unter 46 77 89 47.

 


WE GOT HIM! Wolfgang Thierse in Tikrit aufgegriffen!

Der Wunschzettel der Amerikaner ist anscheinend berücksichtigt worden und wir, die wir am Elbstrand schon manches Erdloch geraucht haben, rieben uns verwundert die Augen, dass man sich darin auch verstecken kann. Inzwischen haben alle die We got him -Bilder gesehen, Saddam Hussein mit Rauschebart, etwas zerknittert, als hätte sich sein Fallschirm nicht geöffnet. Er sah ein bisschen wie ein unmotivierter, vom Arbeitsamt vermittelter, Weihnachtsmann aus und unauffälliger wäre er mit diesem Bart sicher gewesen, wenn er sich im roten Filzmantel mit Glocke vors Karstadt Osterstraße gestellt hätte. Er hatte unzählige Doppelgänger hieß es immer wieder - und viele wunderten sich, dass die USA nicht mal eines dieser Doubles schnappen konnten, aber jetzt mit diesem Santa Claus-Bart schnellt die Zahl der Saddamdoppelgänger ins unermessliche. An allen Fassaden Hamburgs klettern sie empor und bringen den Dschihad in unsere Wohnzimmer. Weitere Details zu diesem und anderen Top-Themen erfahrt Ihr in der letzten Catbird Comedy Show am Freitag dieser Woche.

Die Top-Neuerung: Da unser Horrortaster Markus Glossner zu einer sechswöchigen Kreuzfahrt auf dem US-Flugzeugträger Exon Valdez aufgebrochen ist, haben wir als Ersatz eine komplette Showband engagiert. Freakjazz wird Euch mit fünf Musikern einheizen und für alle Künstler fette, dekadente und damit durchaus angemessene Aufgangsjingle spielen.

Unserer Gäste sind:
SAMMAWOMMANOMMA, das Kultduo aus Kiel, die Chaostruppe aus Schleswig-Holstein, Siegfried und Roy auf Ecstasy

Die steife Brise, das Improtheater aus Hamburg, die einzigen Künstler, die sich nicht vor unserem Improtest am Horrortoaster fürchten.

Mick M., unglaublicher Comedy Pantomime aus Norwegen. Nach seinen Auftritten im Schmidt auf der Reeperbahn wird das Theater Anfang Januar abgerissen.

Wir freuen uns auf Euch, kommt zahlreich. Übrigens waren die letzten beiden Shows restlos ausverkauft. Unser Tipp: Nutzt den Vorverkauf!

Catbird Comedy Show 
Das letzte Mal in diesem Jahr!
Freitag, 19.12., 20.00 Uhr
goldbekHaus, Moorfuhrtweg 9
Metrobus Nr. 6 bis goldbekplatz
Tickets zu Euro 11,- / 9,- ermäßigt
Unter Tel.: 46 77 89 47 und bei den Kartenhäusern
Schanzenstraße 5 und Gertigsstraße 4

 


Catbird Comedy Show erstmals mit Show-Band!

Liebe Leute,
da unser Tastenmann Markus Glossner auf eine achtwöchige Kreuzfahrt geht, haben wir als Ersatz eine fünfköpfige Band namens "Freakjazz" engagiert. Es gibt nichts schöneres auf der Bühne, als mit einem fetten, dekadenten Jingle aufzutreten, dabei eine leuchtende Treppe hinunterzuschreiten, vorbei an den winkenden und zwinkernden Reihen des deutschen Fernsehballets. Dieses "Ben Hur" des Entertainments gibt es erstmalig am 19. Dezember, um 20.00 Uhr im goldbekHaus. Kommt alle! Denn dies ist die letzte Catbird Comedy Show in 2003.


[ Nach oben ]